23
Vorliebe für dieſes liebenswürdige Geſicht zu beſchönigen, ohne Ausflüchte gegen den Maler zu machen.
„Und Sie haben es alſo hier aufbewahrt, hier, nächſt Ihrem Herzen; Sie haben es aufbewahrt, wie wir das Geſchenk der Liebe, das Pfand der Treue nur bewahren!“ rief Verelſt; und wir beſchuldigten Sie inzwiſchen, daß Sie uns zu kränken ſuchen; wir beſchuldigten Sie der Kälte, der.
„Erſparen Sie mir dieſe quälende Wahrheit!“ rief Baſil heftig.
„Ihnen dient es,“ fuhr Verelſt fort, nachdem er eilig die ſchöne Ausführung dieſer Miniatur geprüft und bemerkt hatte, wie ſie ſo ſehr die Züge der ihm Theuer⸗ ſten wiedergab, indem ſie die glänzendſten Schöpfungen der Magie des Romans realiſirte,„Ihnen dient es ohne Zweifel dazu, Junge und Alte der dankbaren Familie des Künſtlers, dem Sie ſo großmüthig Verpflichtungen auf⸗ erlegt, wieder an ſich zu ziehen.“ 1
Baſil kämpfte einen Augenblick mit ſeinen Gefühlen. Er fürchtete indeſſen, den Stolz und die Empfindlichkeit Verelſt's aufzuregen und er wollte ſich einer ſolchen Miß⸗ deutung ſeiner Geſinnungen nicht unterwerfen. Er be⸗ gnügte ſich daher, mit leiſer Stimme zu ſagen:„Es dient wenigſtens dazu, in mein Gedächtniß das Antiitz zurückzurufen, welches nach meiner Ueberzeugung das Schönſte, Heiligſte und Theuekſte der menſchlichen Natur in ſich vereinigt.“
Der einfache Künſtler lauſchte mit Entzücken, aber ganz ohne Erkenntniß. Es ſchien ihm ganz natürlich, daß ſein alter Zögling, ſein großmüthiger Freund Eſther und Salome liebe, ſie theuer und heilig nenne, ſie, die er als Kinder kennen gelernt und bei der Erfüllung ihrer kindlichen Pflichten lieb gewonnen hatte. Aber daß er eine derſelben beſonders und vorzüglich liebe, eine mehr dls die andere, das fiel dem armen Verelſt nimmermehr ei.


