Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

249

Indeſſen war er in den erſten Tagen im Stande, über ſein Unwohlſein ſo weit Herr zu werden, um das weſtliche Ende der Stadt trotz der Verbannung zu beſuchen, zu welcher er verurtheilt worden war, und einer ſeiner erſten Beſuche war in der Delahay⸗Street. Es war ihm daran gelegen, nach ſeinem Patienten, nach ſeinem Freunde ſich zu erkundigen; ja, nach ſeinem Freunde; denn wofür konnte er ſonſt den Mann halten, dem er für das Eben⸗ bild der geliebten Züge, das weder bei Tag, noch bei Nacht auch nur für einen Augenblick ſeinen Buſen verließ, verpflichtet war. Abednego ſchien in der That eine ſolche Anwendung des Miniaturgemäldes vorausgeſehen zu haben; denn es war in eine fausse montre von ſtarkem Golde gefaßt und hatte eine Schnur zur Befeſtigung um den Hals..

„Ich wollte ſchwören, daß ich nun ſelbſt krank bin,“ ſprach Baſil für ſich hin, als er durch die große George⸗ Street fuhr,„eben ſo krank als der arme Abednego, wie ich ihn in jener abſcheulichen Nacht nach Hauſe brachte; ein Unternehmen, das, wie ich glaube, die ganze Urſache meines Unwohlſeins iſt.

Am Anfange der Delahay⸗Street ſtieg er aus und ging zu Fuß an die Thüre des Geldverleihers.

Er war nun ſo ſehr an das Unfreundliche dieſes Haushalts gewohnt, daß er vor zehn Minuten nicht er⸗ wartete, daß von ſeinem Klopfen an der Thüre Notiz ge⸗ nommen werde.

Zu ſeinem großen Erſtaunen waren indeſſen kaum zwei Minuten verfloſſen, als ſie ſich öffnete. Es wurde aber nicht durch den rothhauptigen Kehrer, nicht durch die runde Wärterin, ſondern durch einen Fremden, einen al⸗ ten Juden, mit allem dieſer Benennung anklebenden Schmutze, von finſterm Geſichte, unſauberer Kleidung, herabhängenden Schultern, ſchimmeligem Barte, und mit der Phyſiognomie eines Barnebas, geöffnet.

Jetzt, da Baſil überzeugt war, daß Abednego mit