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kreuzte.„Er war der erſte, den wir den Dienern des Todes übergaben.“
„Mein Sohn wurde alſo in eine jener Gruben geworfen, welche für die gottloſen Leichen der Juli⸗ Hirgenten gemacht worden waren?“ rief die Ba⸗ roneß. „Der Bruder der Marguerite Erloff wurde in den ruhigen Friedhof unſers heiligen Hauſes gebracht,“ er⸗ wiederte die Aebtiſſin würdevoll.
„Kann ich nicht eine Unterredung mit meiner Stieftochter pflegen?“ bemerkte Frau von Rehfeld.
„Für Schweſter Urſula hat die Verwandtſchaft dieſer Welt ein Ende!“ entgegnete die ehrwürdige Mutter.„Ich will ſie indeſſen mit Ihrem Wunſche be⸗ kannt machen.“
Die zehn Minuten, welche dieſer Botſchaft ge⸗ weiht waren, ſchienen der aufgeregten Baronin von endloſer Dauer; endlich wurde ihr durch die Aebtiſſin die Antwort überbracht; ſie war grauſam, abſchlägig.
Die Schweſter Urſula hatte alle Verbindung mit dem Leben dieſer Welt abgebrochen. Sie bat um die Erlaubniß, die Aufregung ihres Geiſtes zu vermeiden, welche nothwendiger Weiſe aus einer ſolchen Zuſam⸗ menkunft hervorgehen mußte.
„Zuletzt,“ rief die Baronin, mehr ärgerlich als betrübt,„zuletzt, ehrwürdige Mutter, geſtatten Sie⸗ mir noch, den Friedhof zu beſuchen und das Grab meines Sohnes zu ſehen!“
Als ſie zu dieſem Ende den Kloſtergarten durch⸗ ſchritt, in welchem die ſchlanken Acazienbäume in die⸗ ſem Augenblicke mit Blüthen überladen waren, unter denen ſich die weißbeſchleierten Penſionärinnen unter Auf⸗ ſicht ihrer ernſten Lehrerinnen beluſtigten, bot derſelbe gerade eine ſolche Scene dar, wie ſie viele meiner Leſer in dem Sommerſalone von Elvinſton Caſtle ge⸗ malt geſehen haben werden.
Die Frau des Geſandten. UI. 16


