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Einige Jahre ſpäter, als Frau von Rehfeld die glücklichſte Gattin und Mutter in Schottland beſuchte und dieſes„Sommergemälde“ betrachtete, deſſen ge⸗ treue Zeichnung ſie bewunderte, zeigte ſie auf das Pförtchen, welches aus dem Garten nach dem Fried⸗ hofe führt, und enthüllte das traurige Geheimniß, wel⸗ ches hiemit in Verbindung ſtand.
„Jedes Jahr, meine theure Marguerite,“ ſagte ſie,„wenn ich das Kloſter als Ueberbringerin Deiner jährlichen Wohlthaten beſuche, verweile ich an dieſem heiligen Orte und verrichte meine Gebete auf dem Grabe Deines Bruders. Niemals beſuchte ich es, ohne friſche Blumen auf dem Raſen zu finden, und mehr als einmal habe ich eine Schweſter bemerkt, die an ihm kniete, bei meinem Nahen ſich erhob und enteilte. Ich bin überzeugt, daß es Schweſter Urſula war. Dieſes Grab allein bildet ihre Verbindung mit der Vergangenheit; dieſes Grab iſt allein ihr weltlicher Troſt! Aber wer würde ſich jemals träumen laſſen, unter dieſem groben, ſchwarzen Gewande, unter die⸗ ſem düſtern Schleier die ehrgeizige Lilie von Rehfeld, die hochmüthige Frau des Geſandten zu finden?“
Ende.


