Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1845)
Entstehung
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Geheimniß hinſichtlich ihres Zufluchtsortes obwalten ſolle. In Allem extrem, iſt ſie nun eben ſo enthu⸗ ſiaſtiſch in der Andacht, als ſie es zuvor in der Welt⸗ lichkeit war. Seit ihrem Profeſſe ſind einige Tage vorüber, und ſie iſt nun unwiderruflich eingeweiht; keine Einmiſchung, kein Einſpruch kann von nun an die Ruhe ihres Geiſtes ſtören.

Dies iſt das unerhörteſte, das außerordentlichſte Ereigniß! murmelte Frau von Rehfeld, abwechſelnd erſchreckt, unwillig und ungläubig.Sie, die ich als todt beirauert hatte; ſie, deren Verſchwinden nebſt der Nachricht hierüber das Ende ihres Vaters beſchleunigte; ſie, von der der ganze Hof in St. Petersburg glaubt, daß ſie als ein Opfer des Schreckens der Juli⸗Revo⸗ lution gefallen ſei, ſie noch am Leben, geſund, eine Büßerin, eine Nonne!

Entſchuldigen Sie, unterbrach ſie die Aebtiſſin, nicht der ganze Hof von St. Petersburg. Der Ge⸗ mahl unſerer armen Schweſter war von Anfang bis zu Ende von der Wahrheit in Kenntniß geſetzt worden und beruhigte ſich bei ihrer Beſtimmung über ihr Ge⸗

ſchick. Ohne dieſe Sanktion wäre unſer Verfahren

illegal geweſen.

Giest inoui je m'y perds! war der oft wiederholte Ausruf der ſtaunenden Baronin.So kalt nahm er von Wilhelm von Rehfeld die Erbſchaft der armen Ida auf, nicht als ihr Gatte, nur als der, der ſie überlebt hatte. Wenn er mir nur die geringſte Ahnung, den geringſten Verdacht gegeben hätte!

Es war der ausdrückliche Wille der Schweſter Urſula, daß keine weltliche Einwirkung die Heiterkeit ihres Noviciats ſtören ſolle, unterbrach die Aebtiſſin. Der Fürſt iſt in ſo ferne außer Schuld. In wie ferne die barſche Behandlung oder die ſchweigende Ver⸗ dammniß von ſeiner Seite und von Seiten ſeiner rach⸗ ſüchtigen Schweſter den Schritt dieſes unglücklichen Weibes mehr zu einem Akte der Verzweiflung, als zu