Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1845)
Entstehung
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rin verpflichtet iſt, die je innerhalb dieſer Mauern die Gnade des Himmels anflehte, ſo wäre es in der That undankbarl.

Die Hand der Frau von Rehfeld befand ſich ſchon auf dem Drücker der Thür des Sprachzimmers, indem ſie weggehen wollte; allein nun wurde ihre Rührung durch die Neugierde verdrängt.

In dem verhängnißvollen Augenblicke, in welchem die Schweſter Urſula Zuflucht in dieſen Mauern ſuchte, ſagte die Aebtiſſin, indem ſie bei der Erinnerung an dieſe Tage des Schreckens, die jetzt unrichtig die glor⸗ reichen genannt werden, ihre Augen zum Himmel er⸗ hob,in jenem Augenblicke ſchien das Kreuz und der Altar am Vorabende des Umſturzes, der Thron war bereits geopfert, das Wort Clauſur war ein leerer Name! Alles, was wir erwarteten, war die Aufhe⸗ bung unſers heiligen Ortes und die Zerſtreuung un⸗ ſerer Schweſterſchaft, und als ich einem Weibe mit gebrochenem Herzen und heimathlos eine Zufluchtsſtätte

gewährte, während ich ſie nur als eine Verwandte

unſerer geliebten Marguerite kannte, war meine Ab⸗ ſicht bloß auf ein Werk der Barmherzigkeit gerichtet. Die Fürſtin Gallitzin war eine Proteſtantin; wie konnte ich hoffen, daß ſie zu unſerm Glauben über⸗ treten werde, eine unterwürfige Tochter unſers Hauſes werden wolle.

Frau von Rehfeld, welche athemlos von Aufmerk⸗ ſamkeit auf die Rede der Aebtiſſin gelauſcht hatte, war nun durch und durch erſchüttert. Ida noch am Leben? Die verlorene Fürſtin Gallitzin ein Inſaſſe dieſes Hau⸗ ſes? Ihre Thränen waren jetzt getrocknet; ihre Aus⸗ rufe unterdrückt.

Während ihres Noviciats, welches durch den ge⸗ wöhnlichen Zeitraum verlängert wurde, um ihr ge⸗ nügend Zeit zur Beſtärkung in ihrem neuen Glauben zu geben, fuhr die Aebtiffin fort,war es das Ver⸗ langen unſerer guten Schweſter Urſula, daß das ſtrengſte