Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1845)
Entstehung
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dreuil an dem Thore des Kloſters in der Straße Foſſés St. Victor vor, zu welchem ſie in frühern Ta⸗ gen ſo oft ihre edle Enkelin begleitet hatte, und fiehe, aus demſelben ſtieg nicht die ehrwürdige Wittwe aus, ſondern die nun auch verwittwete Baronin von Reh⸗ feld, auf einmal eine Bewohnerin des Hotels de Vau⸗ dreuil, und ſchritt dem Sprachzimmer zu.

Ich komme, ehrwürdige Mutter, ſprach fie, in⸗ dem ſie ſich an die Aebtiſſin wendete und ihr die Hand ehrfurchtsvoll käßte, eine Ehrenbezeigung, welche mehr der Tochter des edeln Hauſes von Montmorency, als der Oberin des Kloſters galt,ich komme, um einen ſchon zu lange vernachläſſigten Auftrag zu er⸗ füllen. Jemand, den ich in Ihrer Gegenwart nicht zu nennen brauche, eine Abtrünnige von unſerer hei⸗ ligen Kirche, hat mich für die letzten zwei Jahre be⸗ auftragt, einen Beitrag zu den Fonds des Kloſters, zur Förderung der mildthätigen Zwecke deſſelben, zu leiſten. Daher, fuhr ſie fort, indem ſie zwei Rollen von hundert Louisd'or nach und nach in den Almoſen⸗ fiock ausleerte,daher habe ich mich furchtſam genabt, weil ich glaubte, Sie möchten vermuthen, daß ich meinen mütterlichen Einfluß nicht genügend geltend gemacht habe, um mich dem Abfalle meines unglück⸗ lichen Kindes zu widerſetzen. In einem Lande der Ketzer, ehrwürdige Mutter, und unter dem Einfluſſe der Familie ihres Mannes, während einer langen und hoffnungsloſen Krankheit wurde das Werk des Abfalls vollendet, ehe ich nur den geringſten Verdacht

hinſichtlich dieſes Gegenſtandes hegte. In der entle⸗

genen Provinz, aus welcher ich nach dem Tode des Barons Rehfeld, eines Opſers der Undankbarkeit ſei⸗ nes Fürſten, nach Paris eilte, war ich ſo von Nach⸗ richten aus der civtliſirten Welt abgeſperrt, daß das

Wohl meiner Kinder nur wie ein Traum vor mir

ſchwebte. Lady Elvinſton ſiel von der katholiſchen Kirche ab, und mein Sohn lag viele Wochen ſchon