Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1845)
Entstehung
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Marquis de Rouilly, wurde unpopulär. Ein neuer Geſandter Rußlands regierte über die Malachit⸗Vaſen, und von ſeinem Vorfahren hörte man in Paris nichts, als daß er auf ſeinen Poſten ſeit ſeiner Entfernung vom kaiſerlichen Hofe nicht mehr zurückgerufen worden war. In Moskau verborgen, brachte er entweder ſeinen Wittwerſtand in gehöriger Trauer zu, oder er verzehrte ſich wegen ſeiner Ungnade in eigenſinniger Kaſteiung.

Im Frühlinge des Jahres 1832, zu der Zeit, als die Cholera in Paris wüthete, begann die flüchtige Ariſtokratie dieſer glänzenden Hauptſtadt, die ſich ſchon wieder unter dem ſcharfſinnigen Einfluſſe der neuen Dynaſtie in höfiſcher Form vereinigte, plötzlich jene Inbrunſt der Zeiknirſchung und der Frömmigkeit zu zeigen, für welche in ſolchen Zeiten der Noth und der Gefahr auch die am wenigſten frommen Perſonen em⸗ pfänglich ſind. Die Kirchen und Beichtſtühle waren fortwährend mit Menſchen angefüllt, deren Kleider aromatiſche Ausſtrömungen um ſich her verbreiteten und die Angſt ankündigten, mit welcher man ſich ge⸗ gen Anſteckung ſchützte. Die heiligen Ceremonien konn⸗ ten nicht mehr bloß für die Todten verwendet, ſie mußten für die Lebenden verdoppelt werden. Die Tempel der Religion waren ſtets mit Weihrauch er⸗ füllt, die Altäre ſtets mit Blumen geſchmückt, und während die Leichenwagen ſchnell und faſt ununterbro⸗ chen durch die Straßen nach den Leichenäckern der Vorſtädte fuhren, erfüllten die Töne der Orgel die weiten Hallen von Notre Dame und St. Euſtache mit ununterbrochenen Hymnen und Bitten um Hülfe. In dieſem ſchrecklichen Augenblicke ſchienen auch die Leichtfinnigſten ſich ſelbſt wieder an ihre Pflichten zu frſſeln.

Eines Abends, es war gegen das Ende des Mo⸗ nats Mai, und die Epidemie wüthete gerade am hef⸗ tigſten, fuhr die Equipage der alten Gräfin de Vau⸗