Stadt iſt ſchwerlich jetzt beruhigt, obwohl das Blut in den Straßen trocknet. Hunderte von Todten liegen unbeerdigt; Tauſende von Verwundeten füllen die Spitäler. Und ich habe dieſes Alles mit angeſehen! Eure Excellenz müſſen mir verzeihen, wenn ich ver⸗ wirrt zu ſein ſcheine.—
Als wir das Hotel mit Herrn von Vaudreuil ver⸗ ließen, ſchien Ida, obwohl blaß und ſchweigend, von Verzweiflung über ihren Entſchluß erfüllt zu ſein. Und ſie hatte auch Urſache hiezu; denn da ſie von den Vorſichtsmaßregeln des Grafen, die er angewendet hatte, um die ſicherſten Wege zur Erreichung der ſüd⸗ lichen Barriere einzuſchlagen, nichts wußte, da wir dem Quai bis zum Pont Neuf folgten, wurden wir in eine Reihe von Fuhrwerken verwickelt, aus welchen wir uns nur dadurch herausmachen konnten, daß wir nach der Rue de Seine einbogen. Hier ſtießen wir auf eine Abtheilung Inſurgenten, welche den Wagen auf der Stelle umringten, ihn in Beſchlag nahmen, um ihn zur Bildung einer Barrikade zu verwenden. Bereits hatten ſie der Zügel der Pferde ſich bemächtigt, den Kutſcher zum Abſteigen gezwungen, und die Ein⸗ wendungen, ſo wie der Widerſtand des Grafen dienten bloß dazu, das Volk in größere Heftigkeit zu verſetzen.
Die Fürſtin Gallitzin war die Erſte, welche die Nutzloſigkeit eines Widerſtandes erkannte und in uns drang, in das Hotel zurückzukehren, und da dieſe Men⸗ ſchen in ihrer Hitze und in ihrem Aufruhr ſo wüthend waren, wie ich es von menſchlichen Weſen nicht möglich geglaubt hatte, ſo waren wir gezwungen, unſer Vor⸗ haben aufzugeben und ſo gut wie möglich in das Ho⸗ tel zurück zu kehren. Aber in dieſem furchtbaren Ge⸗ dränge, ſo furchtbar, daß ich jetzt noch zittere, wenn ich daran denke, wurden wir getrennt. Ich ſah zuletzt die Fürſtin, als ſie, aus dem Wagen geſtiegen, blaß, halbtodt, zitternd an allen Gliedern, an dem Arme des


