Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1845)
Entstehung
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kaum erinnern; gerade ſo lange jedoch, als ich die Einfachheit ihres Weſens mit der Einfachheit ihrer Erſcheinung gleichen Schritt halten ſah. Auf das arme Kind war die Heirath ihres Vaters gleich einem Don⸗ nerkeile herabgefallen; und da ich ſie als ein Opfer bemitleidete und geneigt war, Mitleid in Beſchützung zu verwandeln, ſo geſtehe ich, daß ich auf einige Zeit meine Wachſamkeit bei Seite gelegt hatte.

Ich ſah, daß ich einen tiefen Eindruck auf das jüngſte Herz gemacht hatte, welches je innerhalb der Gränzen meiner Anziehungskraft gefallen war; und ich freute mich darüber.

Der Himmel weiß, zu welcher Ausſchweifung meine Schwäche noch geführt haben würde; denn unter dem Vorwande, ihre Erziehung zu vervollkommnen und ihren Geſchmack nach dem ausdrücklichen Wunſche Ihrer Mutter zu verbeſſern, fing ich an, meine eigene zu vervollſtändigen.

Plötzlich kam mir jedoch der Gedanke, oder, wenn die Wahrheit nun einmal geſagt werden muß, ich glaube, es wurde mir von der Baronin eingegeben, daß dieſes ſcheinbar einfache Mädchen weit mehr geiſtreich als offenherzig ſei, und daß ſie, ihrer unterwürfigen Stel⸗ lung hier überdrüßig, und voll Sehnſucht nach Paris, welches eine einfältige alte Magd von einer Gouver⸗ nante zu ihrem Ideale gemacht hatte, beabſichtige, mich in ein Anerbieten meiner Hand zu verſtricken.

Eine Gräfin Vaudreuil in der dritten Etage der Rue de Grenelle würde nach meiner Meinung ein viel beneidenswertheres Weib ſein, als eine Baronin von Rehfeld, geborne Rehfeld, und vermählt mit einem ſächſiſchen Dummkopfe. Aber eine Gräfin, zu deren Gunſten ich verſucht werden möchte, meine Ausſichten

im Leben aufzuopfern, müßte eine ſolche ſein, welche um meiner willen einem deutſchen Fürſtenthume oder

einem neapolitaniſchen Herzogthume entſagen würde,

nicht ein Mädchen, das mich bloß aus einem ſo ſchlech⸗