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Gerechtigkeit widerfahren, indem ich Ihnen mit über⸗ flüſſiger Offenheit den Zuſtand meiner Gefühle, ver⸗ gangener, gegenwärtiger und, ſo viel ich vermag, auch zukünftiger gegen Ihre ſchönſte der Stiefſchweſtern ſchildere.
Um mit dem Anfange zu beginnen, ſo bin ich we⸗ der von Natur, noch von Geburt ein heirathsfähiger Mann. Ich nehme zu viel Rückſicht auf mich ſelbſt, um mein mäßiges Vermögen und meine unbegränzte Freiheit mit einer Andern zu theilen, wann ich es allein genießen kann. In Paris beſitze ich, als ein cadet de famille von ehrenvollem Namen und paſſa⸗ blem Ausſehen Genüſſe, um die mich ſelbſt die Göt⸗ ter beneiden könnten. Aber die Genüſſe, welche, wie geſagt, die Götter beneiden, werden den Sterblichen oft unerträglich langweilig, was auch die einzige Ur⸗ ſache jener einfältigen Reiſe nach Deutſchland war, welche dahinauslief, daß ich meine Seele ſechs bittere Monate in Ihrem kaiſerlichen Eishauſe an der Seite der ehrgeizigen Ida ausgefrieren laſſen mußte.
Nachdem ich Karlsbad und Töplitz beſucht hatte, um meine Langweile zu tödten, gefiel mir der Ge⸗ danke, eine verwandte Hand in den Wüſten von Sachſen zu drücken; und ich ahnte nicht, daß meine Gegenwart auf Schloß Rehfeld, in dem Augenblicke der Einſetzung meiner ſchönen Couſine in ihr neues Schloß, mich mit einer ſchönern, witzigern und pikan⸗ teren kleinen Perſon bekannt machen würde, als ich in allen den engelgleichen Coterien des erzengliſchen Faubourg hinter mir ließ. In Ihrer Stiefſchweſter lag, als ich ſie zum erſtenmal ſah, ein unwiderſteh⸗ licher Reiz. Die beinahe himmliſche Reinheit ihres Angeſichts und ihres kindlichen Weſens flößten mir poetiſchere Gedanken ein, als meine Begriffe, die eines roué, von dem ätheriſchen Urſprunge dieſes Geſchlech⸗ tes waren.
Wie lange die Verblendung dauerte, kann ich mir


