Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1845)
Entstehung
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und ungerechten Klagen war; und Du wirſt von der Aufrichtigkeit meiner Verſicherung überzeugt ſein, daß ich,

wenn ich mir mein Schickſal in dieſer Welt ſelbſt hätte

auswählen dürfen, kein beſſeres und mit meinen Ge⸗ fühlen übereinſtimmenderes heraus geſucht haben könnte. Meine neue Heimath, meine neue Familie, meine neue Stellung ſind von ſolcher Natur, daß ſie ſelbſt ein Leben an der Seite eines minder ver⸗ dienſtvollen Gatten angenehm gemacht haben wür⸗ den; aber urtheile, wie ſehr ich als die Gattin eines Mannes, mit dem ich zufrieden in Armuth und Elend

leben könnte, Urſache habe, der Vorſehung für die

mannigfaltigen Segnungen zu danken, durch die ſie unſer Leben verſchönert. Alles, was ich fürchte, iſt nur, daß es zu glücklich zu herrlich iſt daß ein plötzlicher Schlag uns treffen könnte, um ein Loos zu beſchränken, welches ſo weit über die menſchlichen Er⸗ forderniſſe hinausgeht.

Ich habe ein Gefühl, Ida, als würde ich eines Tages aus dieſem ſchönen und glücklichen Traum er⸗ wachen und mich auf's Neue der Freuden der Liebe beraubt ſehen.. 1

Aber ich habe kein Recht, Dich mit dem Ueber⸗ maße meines Glückes zu ermüden, und dies um ſo mehr, da ich von Dir höre, daß Du ſelbſt gleich zu⸗ frieden biſt. Laſſe mich deshalb zu einem Berichte der ſchönen Scenen übergehen, die mich in meinem neuen Vaterlande erfreuten. 4 3

Erſtens bewies ſich die Seefahrt, welcher ich met ſo großer Furcht entgegen ſah, als der angenehmſte Theil unſerer Reiſe. Das Wetter war herrlich ein warmes, mildes und windſtilles Aprilwetter, und ich, die nie zuvor den unermeßlichen Ocean geſehen hatte bei dem bloßen Gedanken an ihn, als den Schauplatz ſo mancher ſchrecklichen Kataſtrophen und grauſamen Todesfälle, zitterte ich, welche ihn von einem Sturm

aufgeregt zu finden glaubte, weinte beinahe vor Freude,

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