Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1845)
Entstehung
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als ich das blaue, milde Waſſer, mit dem Anblicke ei⸗ nes heitern Himmels und dem freundlichen Willkomm eines Freundes lächelnd um mich her ausgebreitet ſah. Ich ſah meine Neva in weit größerer Aufregung. Unter ſolchen Umſtänden iſt es kein Wunder, daß ich mich als eine heldenmüthige Seefahrerin bewährte, und eine große Freude iſt es für mich, daß Elvinston die See ſo ſehr, wie ich, liebt. Wir haben daher be⸗ reits eine Reiſe nach den weſtlichen Inſeln entworfen. Mit ſolchem Wetter, gleich dem, welches wir jetzt ge⸗ nießen, kann ich mir nichts Reizenderes denken. Theuere Ida! Du ſtehſt wahrſcheinlich in täg⸗ lichem Verkehre mit meinem Vetter Alfred. Sei ſo gefällig, ihm für die einfältigen und irrigen Begriffe zu danken, die er mir über London einflößte; denn ich bin überzeugt, er that es mit der freundlichen Abſicht, daß meine Enttäuſchung äußerſt angenehm ſein ſolle. Erinnerſt Du Dich noch, was er uns Alles von der neblichen Atmosphäre Londons ſagte, die oft Ur⸗ ſache ſei, daß man am Mittag die Lampen anzünden müßte! Erinnerſt Du Dich, was er von den ſchwar⸗ zen Gewäſſern der Themſe ſagte, die er als einen Styx beſchrieb; von den Schneckenhäuſern, in denen gerade ſeine Familie Platz hätte; von dem Ceremoniel zwiſchen Leuten, die ſchon ſeit einem halben Jahrhun⸗ derte Nachbaren ſind und, wenn ihre Häuſer in Flam⸗ men ſtünden, ſelbſt in dem Schrecken des Brandes nichts mit einander ſprechen würden wenn nicht eine dritte Perſon gegenwärtig wäre, ſie einander vorzuſtellen? Erdichtung, theuere Ida abſcheuliche Erdich⸗ tung! Das London nach meiner Anſicht iſt ſo verſchie⸗ den von dem ſeinigen, wie Paris von Petersburg! Wir kamen vor Tagesanbruch in dem Fluſſe an, und erreichten das majeſtätiſche Gebäude von Green⸗ wich noch zeitig genug, um die Stadt zu ſehen, ehe der Rauch der Kamine die Schönheit eines Waldes