Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1845)
Entstehung
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Welcher andere achtzehnjährige Kopf wäre nicht verwirrt geworden von dem Glücke, das ſie in Petersburg machte? Welcher andere Kopf von achtzehn Jahren hätte die Kränkung, ſich zweimal in ihren Erwartun⸗ gen, Gräfin Vaudreuil oder Vicomteſſe Elvinston zu werden, getäuſcht zu ſehen, ſo wie ſie ertragen, und dann, wie ſie ihrer Demüthigung ſpottend, ſich wieder an uns gewendet? Ja, welcher andere chtaz hnjährige Kopf würde für die glühende Leidenſchaft von Alexis, der ſo jung, ſo ſchön, unempfindlich geblieben ſein; und nur Augen für die tönerne Natur gehabt haben, der ſie den Stempel eines Geſandten auforückte?

Ich ſage nichts von ihrer klugen Selbſtbeherrſchung, als ſie von dem Kaiſer ausgezeichnet wurde. Die Beſchaffenheit von Nikolaus' Artigkeit ſtimmt zu wun⸗ derbar mit dem Clima ſeines Landes überein, um ihr eine ſehr gefährliche Macht über die Gefühle oder über das Benehmen der Gegenſtände deſſelben einzuräumen.

Kein Weib würdigte ihre Eigenſchaften beſſer als Ida, indem ſie die Roſen der Liebe mit den Lorbeeren der Diplomatie vertauſchte; denn niemand war mehr geeignet, die würdevolle Stellung zu behaupten und den gemäßigten Ton anzunehmen, welche der Größe ihres neuen Amtes anpaßten.

Bis jetzt hat ſie Alles gethan, was ihr die Zeit erlaubte, d. h. Aufſehen erregt; und niemand, als ihr reizendes Selbſt, wird mit der Schwierigkeit vertrau⸗ ter ſein, ſo viel in dieſer merkuriſchen Hauptſtadt zu bewirken, wo die Räder des Modewagens ſo ſchnell dahin rollen, daß es für eine neue Aspiration beinahe unmöglich iſt, im Vorbeifahren einen Platz darin zu erhalten.

Die Fürſtin Gallitzin hat von Marguerite, ſeitdem ſie London verließ, keine Nachricht mehr erhalten. Wir warten jedoch jede Stunde auf Briefe von ihr. Als Erwiederung auf dieſen langen Brief erzeigen Sie mir den Gefallen, mir Nachricht von Alexis zu geben,