Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1845)
Entstehung
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rung geben, daß noch nie jemand ein ſo erfolgreiches Debut beſtanden hatte. 3

Charmante! ravissante! tönte es von allen Seiten, und die Erklärung, welche dann folgte, wie bezaubernd wird ſie ſein, wenn ſie ſich zu kleiden ge⸗ lernt hat wie göttlich, wenn mise à la francçaise! bewies, daß, indem ſie etwas zu wünſchen und zu verbeſſern übrig ließ, die junge Geſandtin das Einzige noch ergänzte, was zu ihrer Popularität nöthig war.

Denken Sie ſich die liebliche Ida wo möglich ſchöner als jemals, mit einer Schnur von glänzenden Brillanten um ihren ſchön geformten Kopf, und ihre ſchneeige Haut durch den Contraſt mit dem ſchwarzen Faltenwurfe ihres Kleides noch gehoben denken Sie ſich ſie mit jenem Ausſehen von Jugend und Reinheit, welches ihr den Anſchein gibt, eben aus einer Ballade von Schiller, oder einem Heldengedichte von Oſſian hervorgetreten zu ſein; denken Sie ſich dieſelbe mit dem ernſten, aber heitern Blicke, welcher ſo wun⸗ verbar die Bewegungen ihrer Seele verbirgt die Beobachtete von allen Beobachtern in der Mitte der auffriſirten, gemalten und hagern Schönen in dem Pavillon Marſan und den ſteifen Geſellſchaften des Schloſſes! Es iſt ein Spiel des Zufalls, daß in der Geſandſchaft ſeit Jahren weder ein junges, noch ein ſchönes Weſen war, und ich vermuthe, der Hof hatte ſich darauf vorbereitet, eine ſeinem Alter von vier und fünfzig Jahren angemeſſene Gefährtin des neuen Geſandten zu ſehen; denn als ſie in der Fremden ein liebliches Kind entdeckten, ſchienen ſie Alle geneigt, ſie als ein ſolches in ihre Arme zu ſchließen und zärtlich zu bewillkommnen.

Niemand wird ſich jedoch nach längerer Bekannt⸗ ſchaft geneigt fühlen, ſich ſolche Freiheiten mit der Fürſtin Gallitzin zu erlauben. Selbſt Ida von Reh⸗ feld hat ſo viel von meinen Lehren profitirt, um ein Urtheil und eine Stellung für ſich allein zu haben.