297
Schlimme Verwirrung herrſcht in dem Hauſe. Niemals ſah man noch ſolche Eile und Unruhe da!
Zwei Heirathen— zwei große Heirathen— zwei Ausſtattungen— zwei Abreiſen vom Hof— zwei Ver⸗ bannungen in fremde Länder! Denn die Fürſtin Gal⸗ litzin und Lady Elvinston werden Petersburg noch an dem Tage ihrer Vermählung Adieu ſagen. Die erſtere, weil Staatsangelegenheiten die augenblickliche Abreiſe des neuen Geſandten erfordern; die letztere, weil es die Sitte des Landes ihres Gemahls iſt.
Eine engliſche Braut hängt dem Bräutigam an und entſagt ihren Verwandten und dem Hauſe ihres Vaters am Fuße des Altars.— Dieß iſt eine harte Pflicht.— Bei mir weniger, als bei einer Andern; ich wünſchte jedoch von ganzem Herzen, daß die Fürſtin Gallitzin eine Geſandtſchaft nach London, ſtatt nach Paris erhalten hätte, damit ich Rußland nicht ſo allein verlaſſen müßte.
Sonderbarer Weiſe kann ich nicht glauben, daß Lord Elvinston dieſen Schmerz theilt. Obgleich man ihn bei unſerer erſten Zuſammenkunft für Ida's An⸗ beter hielt, ſo bemerke ich doch, es kränkt ihn nicht, daß die nothwendigen Vorkehrungen für die glänzende Stellung, welche Ida behaupten ſoll, ihre Aufmerkſam⸗ keit ſo ganz in Anſpruch nehmen, daß immer weniger und weniger Vertraulichkeit zwiſchen uns zu herrſchen beginnt. Wenn dieß wirklich möglich wäre, ſo ſollte ich glauben, er ſei eiferſüchtig auf den Einfluß, den ſie über mich übt. Ich habe ihn ſagen gehört, er haſſe weibliche Vertraute. Er liebt jene zutrauensvolle Ge⸗ müthsart, die eine junge Perſon veranlaßt, Rath und Stütze zu ſuchen; aber einmal verheirathet, ja wenn nur verlobt, will er, daß ſie keinen andern Rath mehr
wünſche, als den ihres Gemahls.
In dieſer Hinſicht bin ich, Gott ſei Dank, fähig, ſeinen Anſprüchen Genüge zu leiſten; denn je mehr ich mit ſeinen Grundſätzen und Gefühlen bekannt werde,


