Sie werden zugeben, daß es unmöglich für mich war, ein größeres Kompliment zu empfangen; und ſo allgemein iſt die ſtrenge Moralität des Kaiſers in ſei⸗ nem häuslichen Leben anerkannt, daß ich mich, ver⸗ zeihen Sie meiner Eitelkeit, bei dieſer Anſtellung des Mannes, für den er um meine Hand warb, und die mich ſo weit von dem kaiſerlichen Hof entfernte, viel mehr geſchmeichelt fühlte, als wenn er ihm eine ſolche um ſeine Perſon gegeben hätte.
Ich fürchte, Theuerſte, ich war für einen ſo ge⸗ übten Beobachter, wie der Kaiſer iſt, nicht einmal ſo lange unentſchloſſen, als erforderlich war, meiner Ein⸗ willigung einigen Werth zu geben.
„Herrlich geſprochen!“ rief er, nachdem er mein Jawort vernommen hatte.„Da Sie jetzt entſchloſſen ſind, die Hand eines der edelſten Männer meines Rei⸗ ches anzunehmen, erheben Sie ſich über die niedrige Kunſt, über meine Frage zu zaudern. Sie wollen ſeine Gattin werden? Ich danke Ihnen dafür. Aber er wird Ihnen ſelbſt auf eine Art danken, die meine for⸗ melle Billigung kalt und werthlos machen wird!“
Es ſchickte ſich nicht für mich zu bekennen, wie
vielfach dieſe bloße Billigung die gluͤhendſte Dankbar⸗
keit des Fürſten aufwiege!
Nachdem der Kaiſer einen ceremoniöſen Kuß auf meine Stirne gedrückt und einige ernſte Ermahnungen ausgeſprochen hatte, rief er meinen Vater, führte mich in ſeine Arme und nahm dann Abſchied. Ich war noch zu ſehr bewegt von Allem, was ich gehört hatte, um den väterlichen Segen nicht tief zu fühlen. Als ſelbſt einige Stunden ſpäter Fürſt Gallitzin erſchien, um mir für das zu danken, was er meine huldreiche, ihm durch den Kaiſer zugekommene Bejahung nannte,
und ſeinen Triumph über die Erfüllung ſeines innigſten
Wunſches auszudrücken, waren meine Augen noch feucht von den Thränen meiner frühern Rührung.
Während der feierlichen Erklärungen, die nun be⸗


