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Die Gelegenheit, nach der ich mich ſo lange ge⸗ ſehnt hatte, ſchien ſich plötzlich zu zeigen. Die Baro⸗ nin war fort, mein Vater allein. Ich wollte die Ge⸗ legenheit benützen, um meinem Vater die ſchwankende Natur des Eiſes, auf welchem wir ſorglos hingingen, und die Gefahren zu erklären, die ich von dem kalten Abgrunde unter demſelben erwartete. Ich faßte Muth und ſtärkte mich durch eine momentane Pauſe der Ueberlegung, dann ging ich langſam, mit dem feſten Entſchluſſe, mich unter einer bittenden Berufung auf ſeine väterliche Liebe zu ſeinen Füßen zu werfen, zu den Gemächern meines Vaters.
So ſehr war ich von meinen Gedanken in An⸗ ſpruch genommen, daß ich beinahe ſchon die Hälfte des Bibliothekzimmers zurückgelegt hatte, ohne zu bemer⸗ ken, daß nicht die ernſte Perſon meines Vaters ſeinen gewöhnlichen Sitz einnahm. Es war der Kaiſer ſelbſt, der ſich erhob, um mich zu bewillkommen, und mich an ſeine Seite niederſitzen hieß!— Mein Vater, der bisher in einer vertrauten Unterhaltung mit dem Kai⸗ ſer vertieft geweſen war, wollte eben das Zimmer verlaſſen, um in ſein Privatcabinet zu gehen.
„Meine theuere Ida,“ ſprach er, als er auf der Schwelle ſtand;„wenn ich es auch nicht für nöthig erachte, Deine Ehrfurcht für die Mittheilung Sr. Ma⸗ jeſtät des Kaiſers zu verlangen, ſo iſt es doch vielleicht wünſchenswerth für Dich, zu wiſſen, daß ſie mit der vollkommenſten Einwilligung Deines Vaters geſchieht.“
„Ich habe bereits wiederholt verſucht, meine Liebe, die unbeſchreibliche Anmuth und Autorität zu ſchildern, welche das Betragen ſeiner kaiſerlichen Majeſtät charak⸗ teriſirt. Es iſt das eines ſehr guten Schauſpielers, der durch Natur und Erziehung für ſeine Rolle gleich geeignet iſt; und ich geſtehe Ihnen aufrichtig, daß ich, obgleich ich in dem fröhlichen Verkehre der Feſtlichkei⸗ ten des Lebens, ſehr unbefangen gegen ihn geweſen war, doch ebenſo gut Muth gefunden hätte, den Don⸗


