271
entſchloſſen, Wilhelm von Rehfeld meine äußerſte Ver⸗
achtung wegen ſeiner ſchmeichleriſchen Anerkennung mei⸗ ner vereinigten Schönheit und Vortrefflichkeit zu er⸗ kennen zu geben, bei Tiſche ſo, daß er gezwungen war, ſeinen Platz neben Marguerite Erloff einzunehmen, an deren rechter Seite ihr zukünftiger Gemahl ſaß, in jene ſelbſtzufriedene phlegmatiſche Schweigſamkeit ver⸗ tieft, welche der Grundzug ſeines Charakters iſt. Ich ſaß ihm gegenüber, zwiſchen Baron von Grünglatz und Alfred de Vaudreuil. 1
Als ich bemerkte, der letztere wolle mich in ein Bündniß ziehen, deſſen Opfer mein meineidiger Ver⸗ wandter werden ſollte, den er bemüht war, zu einer Unterhaltung über mich in der Abſicht zu bringen, ihn noch lächerlicher zu machen, als es von Natur aus heſch en war, wendete ich meine ganze Aufmerkſam⸗ eit dem alten Herrn zu und ſprach in einem ſo tiefen Tone mit ihm, daß die boshaften Plane Alfred de Vaudreuil's vernichtet wurden. Die Zeiten haben ſich geändert, meine Liebe, obgleich erſt drei Monate ver⸗ gangen ſind, ſeitdem ich auf Rehfeld mich verführen ließ, die Gäſte meines Vaters unartig zu behandeln. Monſieur de Vaudreuil war, wie ich vermuthe, er⸗ ſtaunt, das kleine leichtſinnige Mädchen ein anſtändiges Betragen, um nicht ein würdevolles zu ſagen, anneh⸗ men zu ſehen.—
So viel mir meine Aufmerkſamkeit auf die Um⸗ ſtändlichkeit des armen, alten Herrn erlaubte(denn er verſchonte mich nicht mit einem einzigen Partikel ſeiner Beobachtungen auf ſeiner Reiſe, geographiſchen, geologiſchen, botaniſchen, zoologiſchen oder entomolo⸗ giſchen) ſchien es mir, daß Wilhelm von Rehfeld mit meiner Stiefſchweſter in ſeiner Mutterſprache conver⸗ ſire. Obgleich Marguerite und ich einen fleißigen Aus⸗ tauſch zwiſchen unſerm Deutſch und Ruſſiſch machten, ſo daß fie nicht nur im Stande war, ihn vollkommen zu verſtehen, ſondern auch in derſelben Sprache zu


