Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1845)
Entstehung
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Rußland wird mir alle die Freuden geben, die Du ge⸗ nügſam genug biſt, hier zu finden.“

„Ich fürchte, daß dieſes nicht der Fall ſein wird,“ entgegnete Marguerite.„Ich fürchte, daß Du Dich in St. Petersburg oft nach dem milden Clima und den freien Ausſichten dieſes glücklichen Schloſſes ſehnen wirſt. Du haſt einen ſchwachen Begriff von dem ſkla⸗ viſchen und ceremoniellen Leben, in welches Du nun eingeführt werden ſollſt. Wenn Du einmal Deine Aufwartung bei Hof gemacht haſt, ſo wirſt Du in einer beſtändigen Runde von Geſellſchaften leben müſſen;— immer überheitzte und überleuchtete Zimmer,— nichts als Glanz und Tumult. In der That, Du wirſt nur zu bald die Heiterkeit und Unabhängigkeit dieſes Platzes einſehen lernen.“

Ida konnte ſich kaum eines Lächelns enthalten. Aber es war vergebens, mit der Einfachheit von Mar⸗ guerite's Herzen zu ſtreiten. Indem ſie ihre Gefährtin ſich ihrer romantiſchen Bewunderung der alten Eichen von Rehfeld hingeben ließ und ſie nicht abhielt, mit Aufmerkſamkeit der alten Legenden zu lauſchen, welche Sara von jedem der alten Porträte in der Gallerie zu erzählen wußte, wurde es ihr nicht ſchwer, von Mademoiſelle Thereſe alle jene Uebereinſtimmung zu erhalten, die ſie bei ihren veränderten Ausſichten wünſchte.—

Als im Laufe ihrer erſten Privat⸗Zuſammenkunft der Baron ſeiner Tochter zur Pflicht machte, die Gat⸗ tin ſeiner Wahl mit Rückſicht und angemeſſener Ehr⸗ erbietigkeit zu behandeln, hatte er für unnöthig gehal⸗ ten, einem ſo jungen Weſen jenen Mangel an Vermö⸗ gen mitzutheilen, welcher die ſo hoch in der kaiſerlichen Gunſt ſtehende Gräfin vielleicht veranlaßt hatte, ihre Hand einem Fremden zu reichen. Er verweilte dagegen um ſo länger bei ihrem Einfluß bei Hof und bei ihrem Antheile, ihm eine ſeinem Stolze ſo ſchmeichelhafte und ſeinen Ausſichten ſo günſtige Stellung zu verſchaffen.