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Marguerite's eine eben ſo neue Welt, wie die Hof⸗ ſcenen, an welchen das Herz des Fräuleins von Reh⸗ feld hing, und die ſich ihr nun bald entfalten ſollten.
So iſt es mit dem menſchlichen Gemüth; begierig nach ungekannten Vergnügungen und verlangend nach neuen Genüſſen— müde des Glückes, unzufrieden, wenn alle dieſe Eindrücke hinreichend gegönnt ſind. Das Leben, welches Ida von Rehfeld in einer Umge⸗ bung führte, die ſie verehrte, hatte ihre Gefühle er⸗ ſchlafft und ihr ein fieberhaftes Sehnen nach dem Trei⸗ ben der Welt eingeflößt, während das unruhige Leben einer Hauptſtadt in Marguerite's Seele Träume von Einſamkeit und Frieden erweckt hatte.
„Wie glücklich mußteſt Du hier geweſen ſein!“
rief ſie ihrer Stiefſchweſter zu, als ſie eines Tages, während eines herbſtlichen Sonnenuntergang's auf der Terraſſe des Schloſſes Rehfeld luſtwandelten und die Rückkehr des Baron's und ſeiner Gäſte von einem ent⸗ fernten Treibjagen erwarteten. „Glücklich?“ war der unwillkührliche Ausruf ihrer Gefährtin.„Sage lieber, frei von Sorgen. Der Mangel an Leiden erzeugt doch ſicherlich nicht das Da⸗ ſein von Vergnügen!“
„Erzeugt es nicht?“ fragte Marguerite mit wun⸗ dernden Augen.„Gewiß reicht es hin, um glücklich zu ſein, mit denen, welche uns lieben, und überdies noch an einem ſo ſchönen Platze, gleich dieſem, leben zu kön⸗ nen, der rings mit ſchattigen Wäldern umgeben iſt, und von wo aus man in der Ferne jenen ſtolzen Fluß kann fließen ſehen.“
„Ich bewundere Alles in dieſem Augenblicke, weil es Dir Vergnügen zu geben ſcheint,“ antwortete Ida offen.„Aber ich geſtehe Dir auch, daß ich mich oft nach einer Gefährtin geſehnt habe, die einigen Reiz in einer Landſchaft entdecken möchte, welche ſich meinen Augen jeden Tag meines Daſeins gezeigt hat, und mich lehrte, nach einer veränderten Scenerie zu verlangen.


