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Zärtlich, ſchüchtern, fromm und den Geiſt ſo frei von allen Vorurtheilen, wie das Herz voll von Gefühl. Da ſie in ſtrenger Zurückgezogenheit in einem der ſtrengſten Klöſter des Faubourg St. Germain erzogen worden war, ſo hatte ſie die Zeit ihrer Verbannung aus ihrem Vaterlande mit Sehnſucht nach der Heimath und der Mutterliebe zugebracht, und als ſie bei ihrer Rückkehr nach Rußland ſtatt des häuslichen Glückes, nach wel⸗ chem ſie ſo lange geſeufzt, bloß eine freudenloſe Publi⸗ cität, und an der Stelle zärtlicher Elternliebe nur die von bitterm Spott begleitete Autorität einer gehaltlo⸗ ſen Weltdame fand, begann ſich das arme Mädchen auf's Neue nach den einfachen Nonnen, welche ihre Er⸗ ziehung geleitet hatten, und nach den jungen Freundin⸗ nen zu ſehnen, die in ihren Schmerz mit einzuſtimmen pflegten. Ihre gelegenheitlichen Beſuche in dem Hotel de Vaudreuil, und die herablaſſende Aufmerkſamkeit ihrer Großmutter hatten ſogar mehr Reiz für ſie, als die ruſſiſche Heimath, wo die beſtändigen Einladungen zu Hof und zu andern Geſellſchaften, welche an ihre Mutter ergingen ſie größtentheils allein ließen. Die Verheirathung ver Baronin war für Marguerite eine ebenſo große Quelle der Freude geweſen; wie die des Barons für Ida eine Quelle des Verdruſſes. Sie lebte neu bei dem Gedanken auf, die Formalitäten einer Refidenz gleich St. Petersburg mit einem alten, ſchönen Schloſſe von Flüſſen und Wäldern umgeben, zu vertauſchen. Marguerite kannte das Land nur dem Namen nach. Während der zehn Jahre ihres Le⸗ bens, an welche ſie klare Erinnerungen zu knüpfen ver⸗ mochte, war ſie von ſtädtiſchen Mauern eingeſchloſſen geweſen. Ländliche Anſichten und ländliche Vergnügun⸗ gen waren darum für ſie eine herrliche Neuigkeit. Das Rauſchen der Bäume, das Murmeln des Waſſers gewährte dieſem Mädchen an der Grenze der Weiblich⸗ keit ſo großes Vergnügen, wie ein Licht den Augen eines Kindes. Schloß Rehfeld eröffnete vor den Blicken


