Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1845)
Entstehung
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Daher war es Ida, der Tochter einer armen und dunkeln Mutter, unmöglich, ſich Anſichten hinzugeben, die den perſönlichen Einfluß ihrer Stiefmutter hätten ſchmälern können.

In dieſen unterwürfigen Gefinnungen wurde ſie jetzt von Mademoiſelle Thereſe beſtärkt, welche, als ſie in der gefürchteten ruſſiſchen Gräfin eine Tochter des edlen Hauſes de Vaudreuil und ein angenehmes, Ver⸗ gnügungen liebendes Weib, ſtatt der ſtolzen Ruſſin ſah, ihre Freude über die Ausſicht unter einem ſolchen Schutze der freudenloſen Einſamkeit Rehfelds Adieu ſa⸗ gen zu dürfen, kaum unterdrücken konnte.

„Bei meinem Rheumatismus und der gränzenloſen Wildheit dieſes Platzes, würde noch ein Winter hier mich zu Grunde richten!“ lautete ihre geheime Betrach⸗ tung, nachdem ſie den Vorſchlag der Baronin, die Fa⸗ milie nach Rußland zurück zu begleiten und die Auf⸗ ſicht über ihre beiden Töchter zu übernehmen, angenom⸗ men hatte. Auf dieſe Weiſe durch ihre veränderten Gefühle gegen Frau von Rehfeld und durch ihre heitern Pläne für die Zukunft ermuthigt, wurde Ida bald über den raſchen Schritt ihres Vaters ſo ſehr er⸗ freut, als ſie ſich im erſten Augenblicke gekränkt und beleidigt gefühlt hatte.

Bloß die zwei treuen alten Diener, Johann und Sara, blieben auf ihrer Meinung, daß der Baron lange genug leben würde, um ſeine voreilige Heirath zu be⸗ reuen, und daß die wankelmüthige Tochter des hohen Hauſes, welche mit ſo wenig Schmerz dem herannahen⸗ den Abſchied entgegen ſah, noch mit betrübtem Herzen, nach dem ruhigen Schloſſe ihrer Väter und der einfa⸗ chen Herzlichkeit ihres Vaterlandes ſeufzen würde; denn während Ida betrübt die noch übrigen Tage ih⸗ res Aufenthaltes auf Schloß Rehfeld zählte, konnte ſie die Ungeduld kaum verbergen, mit welcher ſie den Augenblick ihrer Abreiſe herbei wünſchte!

Die Frau des Geſandten. I.