Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1845)
Entstehung
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ſcheinen. Er war ein kalter, ernſter, oder vielmehr zurückhaltender Mann, der außer den beſchränkten Ge⸗ ſellſchaften der Refidenz nichts von der Welt wußte, und ſeine Sinne wurden mehr als gewähnlich durch den Anblick eines glänzenden Hofes und einer Maſſe von Fremden betäubt. Wie für ſeine Unvollkommen⸗ heiten, ſo war er auch für die Quelle, aus welcher er Troſt und Unterſtützung zog, gleich blind. Nun war das Ende der brillanten Winterzeit herangenaht, und als er ſich bei der Entdeckung, ſie ganz zu ſeiner Zu⸗ friedenheit zugebracht zu haben, nach der Urſache fragte, konnte nicht nur er ſelbſt, ſondern der ganze Hof ant⸗ worten, daß es deswegen der Fall, weil er an der Seite der ſchönen und liebenswürdigen Gräfin von Erloff geweſen ſei!

Seine Sendung war jetzt bald zu Ende und der Erfolg ſeiner Unterhandlungen bereits durch den Dank ſeines Fürſten und die gütige Aufmerkſamkeit des Kai⸗ ſers belohnt worden. Aber als der Zeitpunkt ſeiner Abreiſe heranrückte, war er überraſcht, aus den An⸗ ſpielungen ſeiner diplomatiſchen Collegen zu entneh⸗ men, daß man bei Hof erwarte, er würde ſich vor ſeiner Abreiſe noch mit der ſchönen und edeln, in der kaiſerlichen Gunſt ſo hoch ſtehenden Wittwe vermählen. Es erwies ſich, daß er, beiden unbewußt, ſich und ſie unvorſichtiger Weiſe bloßgeſtellt hatte. Es kamen ihm Winke von daher zu, was man„höhere Regionen“ nennt, und dieſe darf kein Mann von Ehre unberück⸗ ſichtigt laſſen.—

Die herzlichen Sitten und ausgezeichnete Morali⸗ tät ſeines eigenen kleinen Hofes hatten ihn nicht ahnen laſſen, welch' eine Auslegung man ſeiner Vertraulich⸗ keit mit einem achtunddreißigjährigen Weibe in St. Petersburg gab. 3

Rehfeld's erſtes Gefühl bei dieſer Entdeckung war Aerger; ſein zweites, Vergnügen. Ein Mann von mittelmäßigem Geiſte darf überzeugt ſein, daß der erſte