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welcher ſo lange der Einſamkeit und Vernachläßigung überlaſſen war. Eine neue Welt öffnete ſich den Blicken der jungen Einſiedlerin. Alles, was in den Erzählungen von Mademoiſelle Thereſe ihre Einbil⸗ dungskraft beſchäftigt hatte, ſchien wie durch einen Zauberſtab in ihre Klauſe verſetzt worden zu ſein.
Zu ihrem großen Erſtaunen wurde jedoch die Ba⸗ ronin, von welcher Ida einen allmäligen Uebergang von Artigkeit zu Kälte und von Kälte zu Grauſamkeit erwartet hatte, immer freundlicher und freundlicher, je⸗ mehr ſie ihre eigene Zurückhaltung aufgab. Ida’'s Begriffe, welche ausſchließlich aus Büchern geſammelt waren, hatten ſie vorbereitet, die lebende Welt von außerordentlich guten oder ganz ſchlechten Leuten zu⸗ ſammengeſetzt zu finden, ohne ſie argwöhnen zu laſſen, daß vorherrſchende Mittelmäßigkeit eine Weltdame der größten Heuchelei beſchuldigte, welche weder des Laſters, noch der Tugend fähig war und bloß den Gewohn⸗ heiten jener Klaſſe des Lebens gemäß handelte, in welcher ſie ihr gehaltloſes Daſein abgenutzt hatte, und die zu ſehr an die Genüſſe des Lebens gewöhnt war, um nicht alle Vergnügungen um ſich her zu be⸗ fördern.
Die neue Baronin war, wie die alte Sara be⸗ hauptete, wirklich von franzöſiſcher Herkunft, obgleich von emigrirten Eltern geboren, die ſich lange ſchon in Rußland niedergelaſſen hatten.
Von Geburt eine Vaudreuil, wurde ſie ſehr frühe mit Marguerite's Vater vermählt und glänzte als die liebenswürdige und populäre Gräfin Erloff an dem brillanten Hofe des Kaiſers Alexander. Man ver⸗ muthete in der That mit Recht, daß ihre Schönheit und ihre Talente dazu beigetragen hatten, ihrem Manne jene hohen Auszeichnungen zu verſchaffen, deren er ſich erfreute. Auf ihrem Rufe laſtete jedoch nicht der ge⸗ ringſt Flecken und Niemand konnte auch nur die kleinſte Verletzung des Anſtandes bei ihr entdecken.


