Aber da der alte Graf ſo wohl an Körper, als an Geiſt ſehr unbedeutend war, ſo konnte man ſich ſeine hohen, amtlichen Würden von nichts anderem, als denn geheimen Einfluſſe ſeiner Gattin herrührend denken.
Ein Sohn und eine Tochter waren die Früchte dieſer Verbindung. Der erſtere, Graf Alexis, war unter der Aufſicht eines Hofmeiſters im älterlichen Hauſe erzogen worden; während Marguerite, den Wünſchen ihrer mütterlichen Großmutter gemäß, die alte Gräſin de Vaudreuil zur Zeit des allgemeinen Friedens auf ihrer Rückkehr nach Paris begleitete und dort in ein ausgezeichnetes Inſtitut des Faubourg St. Germain gegeben wurde.
Es iſt wahr, daß die etwas ſchwelgeriſche Lebens⸗ art ihrer Mutter keine ſehr vortheilhafte Schule für die Kindheit des jungen Mädchens geweſen wäre; denn da die Aufmerkſamkeit der Gräfin beſtändig von dem Hofe in Anſpruch genommen wurde, konnte ſie wenig auf ihre Kinder merken, und als der junge Graf, nachdem er das fünfzehnte Jahr zurückgelegt hatte, in die militäriſche Schule der Pagen kam, war es ſchwer zu urtheilen, wer mehr fremd für Madame Erloff war, der unter ihrem eigenen Dache aufgewachſene Sohn, oder die kleine, ſchüchterne Penſionärin, die in einem fremden Lande erzogen worden war.
Gehaltlos durch geerbten Reichthum, oberflächlich vermöge der Erziehung und mit keiner beſondern Auf⸗ forderung ihrer Liebe von Seite eines Mannes, der ſo weltlich geſinnt war, wie ſie, ja in geiſtigen Vor⸗ zügen ſogar unter ihr ſtand, bildete ſich die Gräſin ein, den Zweck ihres Daſeins zu erfüllen, indem ſie, herrlich gekleidet, anſtändig von einem Tage zum an⸗ dern lebend, frei von allen Sorgen außer denen, welche die Vergnügungen des nächſten Tages betrafen, durch das Leben flatterte.
Die Ariſtokratie eines Landes auf den erſten


