Viertes Kapitel.
Langes Dulden muß unſern Geiſt erleuch⸗ tet haben, um den Sturm aus einem laͤcheln⸗ den Himmel prophezeihen zu können.
Bertin
Jene Nacht war für Ida eine Nacht der Schlaf⸗ loſigkeit und Betrachtung— die erſte in ihrem Leben, welche ſie wachend zugebracht hatte! Jung, wie ſie war, ſah ſie, daß der größte Theil ihres zukünftigen Glückes von der Art abhänge, mit welcher ſie den gegenwärtigen Wendepunkt ihres Schickſals bekämpfen würde.
Auf ſolche Rathgeber, wie ihre vorurtheilsvolle Amme und unbeſtändige Gouvernante waren, hatte ſie wenig Vertrauen, und der arme Paſtor war vor ſeinem Patron zu demüthig, um ein Wort von gedie⸗ genem Rathe zu wagen. Schon begann Fräulein von Rehfeld eben ſo ſehr mißtrauiſch zu werden, als ſie haßte, und Alles, was ſie jemals in Geſchichten ge⸗ leſen oder in Legenden von den grauſamen Verfolgun⸗ gen der Stiefmütter geleſen hatte, kam ihr nun wieder in das Gedächtniß.
Sie zweifelte wenig, daß die Eindringlinge kein Mittel unverſucht laſſen würden, ihr ihres Vaters Liebe. zu entziehen und ſie noch zur Dienſtbarkeit und Muth⸗ loſigkeit zu bringen. Glücklicher Weiſe war ſie auf ihrer Hut. Sie wollte ſich ſelbſt gegen den Feind innerhalb ſolcher Mauern von Zurückhaltung ſchützen und ihre Angſt und Furcht unter einem ſolchen Schilde von Kälte verbergen, daß die Ränkeſchmiederin, ihre ſchreckliche häusliche Feindin, aus der Bucht vertrieben werden ſollte.
Sie entſchloß ſich, wie die meiſten Leute thun,
Die Frau des Geſandten. I. 4


