ihrer Seile ſaß, blos Ermuthigung und Theilnahme bedurfte, um ihre Züge durch Ausdruck zu verherrli⸗ chen und ihr Benehmen mit Anmuth und Artigkeit zu ſchmücken.
Fräulein von Rehfeld war unumgänglich beſiegt. Ein Blick, den ſie in den ſtrahlenden, mit Fremden angefüllten Salon warf, für die ſie Vergleichungs⸗ weiſe ein Gegenſtand der Unbedeutendheit war, welche ſich in einer fremden Sprache unterhielten, mit der dieſe alten Mauern unbekannt waren, und die in ihrem vornehmen Benehmen und in ihren Gewohnheiten ſeine Einfachheit wahrſcheinlich als roh, und ſie ſelbſt als ein linkiſches, deutſches Mädchen, nur ein Bischen mehr geſchliffen und verfeinert, als die Diener ihres Vaters, betrachteten, ließ ſie nun auf einmal ihre ganze Geringfügigkeit fühlen. Sie kam zu dem Be⸗ wußtſein, daß ihre Träume von dem Leben eines jun⸗ gen Mädchens zu glänzend geweſen ſeien. Aber die Selbſtgenügſamkeit, welche ein Leben alleiniger Herr⸗ ſchaft, gleich dem ihrigen, erzeugt hatte, war entſchwun⸗ den. Ihr Vater hatte ſie bereits verlaſſen. Sogar ihre Gouvernante ſchien auf dem Punkte, in das feind⸗ liche Lager überzugehen, und als die ſtolze Erbin von Rehfeld ſich in jener Nacht auf ihr Zimmer zurückzog, welches bisher Zeuge von verworrenen Viſionen von zukünftiger Herrlichkeit geweſen war, fühlte ſich das arme Mädchen in eine ſolche Tiefe von Elend und Kränkung geſtürzt, daß es mehr als der von Herrn Voſſius eingepflanzten Weisheit bedurfte, um nicht in einen Strom von Thränen auszubrechen!—


