Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

haben, ſchien Ida bloß für ganz kurze Zeit unbehag⸗ lich zu ſein; noch fühlte ſie, wie vorher, daß all dieſer Glanz und dieſe Unruhe der Stille des häuslichen Lebens weit vorzuziehen ſei. Sie hatte die Ueberzeu⸗ gung, daß die Baronin ihrer Entfernung von ihren aßſen aus der Reſidenz unbemerkt vorüber gehen würde.

Ueberdies machte ſie bald die Entdeckung, daß Frau von Rehfeld, obgleich ſie ihre Stieftochter bei manchen Sachen ſcheinbar um Rath fragte, ſie beſtän⸗ dig an ihre Seite rief und durch die freundlichſten Blicke feſſelte, doch durchaus jedes Ding nach ihrem Kopfe haben müſſe. Sie war eine jener Frauen, welche ohne entſchiedene Ueberlegenheit an Schönheit oder Verſtand, dem Antheile, den ſie beſitzen, ſo gut die beſte Seite abzugewinnen wiſſen und ſo beſcheiden von jedem Ding und jeder Perſon, die ihnen in den Weg kommt, Beſitz nehmen, daß es ſelbſt ſtärkeren Geſbern unmöglich ſcheint, ihre Herrſchaft zu be⸗

reiten.

Demgemäß veranlaßte ſie auch, daß der Baron von ſeiner Tochter, als eine Ausübung ihrer muſikali⸗ ſchen Talente, eine Symphonie von der Dauer einer halben Stunde verlangte, welche nur die äußerſte Kraft der Liebhaberei aushalten konnte, ohne in ein Gähnen auszubrechen. Hierauf wurde Marguerite aufgefordert, an das Piano⸗Forte zu gehen, damit einige einfache Noten von Schubert's ausgezeichneten Balladen, das mühſame Streben der vorhergehenden Darſtellung noch ſichtbarer machen möchten.

Kaum ertönte die reine, ſüße Stimme der Made⸗ moiſelle Erloff, ſo verſtummte auch ſchon das Gemur⸗ mel der Unterhaltung. Die Männer zogen ſich aus den verſchiedenen Theilen des Salons näher gegen das Inſtrument. Sogar Mademoiſelle Thereſe, die ſich in einiger Entſernung von der übrigen Geſellſchaft mit dem jungen Verwandten ihres Patrons unterhielt,