Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

45

S am, doch aus Aerger über dieſen verdeckten Tadel.

„Aber das iſt einzig des Barons Schuld!“ ſprach die gleichmüthige Stiefmutter, und ihre verlegene Ge⸗ fährtin war beinahe überzeugt, daß ein zärtlicher Druck des Armes die Verſicherung verſtärkte.„Kein Mann — aber warum eine ſo ſchwere Predigt über einen ſo leichten Gegenſtand? Sage mir, mein theures Kind! was iſt die Regel des Abends? Wie unterhältſt Du Deine Gäſte auf Rehfeld? Was haben wir dieſen Leuten für heute Nacht zu bieten?“

Sie traten eben jetzt in den brillant beleuchteten Salon, und ſtatt einer Antwort warf Ida einen Blick auf das prächtige Piano, welches ſie kürzlich von ihrem Vater erhalten hatte.

„Ohne guten Ton, vermuthe ich,“ ſprach die Ba⸗ ronin als Erwiederung auf ihren Blick,„gleich jedem Piano in jedem Landhauſe!“

„Im Gegentheil,“ begann Ida,„erſt geſtern..“

„Ah, um ſo beſſer dann,“ rief die Baronin.„Was haſt Du von neuen Muſikalien? Nur nichts von Strauß, ich bitte, denn wir haben den ganzen Winter in St. Petersburg nichts Anderes gehabt, und, die Wahrheit geſagt, ich vermuthe, unſere Herren find keine ſehr eifrigen Muſiker, ausgenommen in einem italieniſchen Opernhauſe— einerlei, wo.“

„Aber ich fragte Dich, was wir dieſen Abend vor uns hätten? Ohne Zweifel Whiſt!— Der Fürſt muß ſein Whiſt haben— sans le vhist, pas de salut! Aber für Euch, Kinder, könnteſt Du nicht einige petits jeux angeben? Wenn nicht, ſo kann Marguerite aus⸗ helfen. Charaden oder Tableaux können wir vielleicht an einem andern Abend aufführen; laßt uns mittler⸗ weile etwas haben.“

Die Ruheloſigkeit der grande dame, welcher es unmöglich war, auch nur einen einzigen Abend zuzu⸗ bringen, ohne eine beſondere Unterhaltung für ſich zu