39
ſend,„wegen ſeines hohen Alters und ſeiner Schwäche, nur um ihm einen glücklichen Ruheſtand nach ſeiner langen Thätigkeit zu ſichern. Vertraue der Gerechtig⸗ keit meines Vaters.“
„Das thut hier nichts zur Sache,“ rief die alte Amme eifrig;„weder Johann, noch irgend ein Ande⸗ rer der Dienerſchaft würde Demüthigkeit genug be⸗ fitzen, unter der Herrſchaft eines Fremden hier zu verweilen!“.
„Ruhig, meine gute Sara,“ entgegnete Thereſe, deren Anſichten von dieſer Sache durch die ſo eben vernommene Nachricht gänzlich geändert worden wa⸗ ren,„ſtill, da dieſe Dame nicht, wie wir Alle vermu⸗ theten, eine Ruſſin— eine wilde Moskovitten iſt, ſondern da ſie von Geburt und wahrſcheinlich auch guter Erziehung, höflich und geiſtreich iſt...“
„Ich weiß nichts, die Wahrheit geſagt, von höflich und geiſtreich!“ ſchrie das alte Weib.„Alle diejeni⸗ gen, welche keine gebornen Deutſchen ſind, ſind für mich fremd, ausgenommen für einen Liebesdienſt. Ich habe keine Dienſte nöthig und einen Liebesdienſt gegen eine, wäre ſie ſogar meine Landsmännin, welche kommt, mein geliebtes Kind aus ihrer rechtmäßigen Stellung in ihrem rechtmäßigen Hauſe zu verdrängen, iſt ausgeſchloſſen. Den beſten Abſchied, den ich von Schloß Rehfeld nehmen kann, iſt der eiligſte.“
„Aber was würde dann aus Deinem armen Kinde werden?“ fragte Ida, indem ſie ſich aus den Händen loszuwinden ſuchte, die ſie ängſtlich umſchlungen hiel⸗ ten;„ficherlich würdeſt Du mich nicht auch verlaſſen, weil Andere, die mehr noch verpflichtet wären, mich zu lieben, mir Unrecht gethan haben?“
„Sie verlaſſen?— Nein!“ rief das arme Weib, durch dieſe Frage wieder zu ſich ſelbſt gebracht,„lieber Ihnen bis an das Ende der Welten folgen, wohin immer Sie gehen mögen!“ 4
Und wären nicht die Demonſtrationen der Gou⸗


