38
grande dame de Paris iſt das herablaſſendſte Ge⸗ ſchöpf der Welt.“
„Ein neuer Beweis alſo, daß ſie, obgleich eine Pariſerin, doch nie zuvor eine große Dame geweſen iſt,“ erwiederte die zornige Amme.
„Aber ſie iſt keine Pariſerin, meine gute Sara!“ fuhr Mademoiſelle Thereſe fort, die ſich jetzt bemühte, von den Kleidern, welche der Baron kürzlich ſeiner Tochter geſendet hatte, das koſtbarſte heraus zu ſuchen, damit ihr Zögling ſowohl der Gouvernante, als auch der Gelegenheit die größte Ehre machen möchte.„Des Barons Brief dieſen Morgen(Du warſt gegenwärtig, als dies theure Kind mir ihn vorlas) ſprach ausdrück⸗ lich von einer Vermählung mit der Gräfin Erloff. Die Familie Erloff, meine liebe Sara, iſt ruſſiſch, entſchieden ruſſiſch!“
„Aber Sie werden ſich erinnern, die Baronin war ja eine Wittwe,“ ſprach Ida mild.
„Wahr, mein gutes Kind, wahr!— Und Du ſagſt alſo,“ fuhr ſie, gegen Sara gewendet, fort, welche ſich noch immer über dieſen Widerſpruch die Lippen wund biß,„daß ſie von Geburt eine Landsmännin von mir ſei?“.
„Da ſie ſtolz wie Lucifer iſt,“ entgegnete Sara, „weiß ſie vielleicht Keiner von uns Beiden großen Dank für dieſen Namen. Wenn Sie jedoch meinen, daß die Baronin von Rehfeld keine Franzöſin von Ge⸗ burt ſei, ſo hat ſie doch gewiß etwas Franzöſiſches an ſich. Ich hörte ſo viel von ihrem eigenen Kammer⸗ diener, welcher bereits in der Gegenwart des alten Johann— der alte Johann war ſchon ein treuer Die⸗ ner des Großvaters dieſes lieben Kindes— davon geſprochen hat, daß er für die Zukunft der Hausmei⸗ ſter auf Rehfeld ſein würde.“
„Mein Vater mag vielleicht die Penſionirung des alten Johann im Sinne haben,“ unterbrach ſie Ida, auf einige Augenblicke ihren eigenen Schmerz vergeſ⸗


