Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1845)
Entstehung
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Sie nahm keine Notiz von den Bewegungen der Tochter der Baronin, welche, nachdem ſie einige Mi⸗ nuten auf eine formelle Einladung wartend, ſich zu ſetzen, ſtill geſtanden war, einen Stuhl an ihrer Seite eingenommen hatte.

Niemand kümmerte ſich auch nur im Geringſten . um Beide. Die eine Hälfte der Geſellſchaft war in. die Unterhaltung mit der Baronin vertieft, während ſich der Baron bemühte, die andere in eine Conver⸗ ſation mit ihm zu verwickeln.. Als die erſten ſtürmiſchen Momente der Unterhal⸗ tung vorüber waren, faßte Ida Muth, die Perſonen, aus denen die beiden Gruppen zuſammengeſetzt waren, zu prüfen; ihr Vater hatte ihr zwar bei ſeinem Ein⸗ tritte Alle vorgeſtellt; aber ſie fand ſich unfähig, ſie zu unterſcheiden.

Jetzt, da die Gefühle der Verzweiflung, die ſich ihrer bemächtigten, die Thränen in ihren Augen ge⸗ trocknet hatten, bemerkte ſie, daß der eine der beiden

Fremden, welche neben Frau von Rehfeld ſtanden, noch jung und von hübſcher Geſichtsbildung ſei, während der andere, ein Mann von vorgerückten Jahren, wenn b auch minder ſchön, doch wegen ſeines würdevollen Be⸗

nehmens und Ausſehens auffiel. Sie converfirten auf Franzöſiſch zuſammen, was die Mutterſprache der Baronin zu ſein ſchien; und Ida mußte zugeben, daß die fremden Gäſte, obgleich ſie ihr in dieſem Momente nicht willkommen waren, mehr Anſtand und Bildung verriethen, als ſie bei den frü⸗ hern herbſtlichen Feſtlichkeiten in Schloß Rehfeld wahr⸗ genommen hatte. Ueber die Gruppe jedoch, welche. ihren Vater umgab und deren laute und fröhliche Unterhaltung in gutem Deutſch ihr Ohr erreichte, wagte Ida kaum ihr Forſchen zu erſtrecken. Der kindliche Trieb in ihrem Innern machte es

ihr peinlich, in dieſem Augenblick ihren Vater anzu⸗ b blicken; von dem ſich nun zum erſtenmal in ihrem