Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1845)
Entstehung
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die ſo ernſtlich aufgeforderte Tochter zögernd erſchien. Wenn auch die arme Ida ſich auf einen Augenblick geſchmeichelt hatte, daß die Stiefmutter, welche ſich ihr ſo unerwartet aufgedrungen, keine Nebenbuhlerin des Namens„der Lilie von Rehfeld,“ unter dem ſie in der ganzen Gegend bekannt war, ſein würde, ſo war doch die auffallende Schönheit der Stieftochter ihres Vaters geeignet, ihre Rechte auf den in ihren Augen ſo unſchätzbaren Namen zu beeinträchtigen.

„Marguerite! Ich empfehle Dich dem Schutze und der Freundlichkeit des Fräuleins von Rehfeld;“ ſprach die Baronin, indem ſie ein junges Mädchen anredete, das Ida in ihrem Alter glaubte. Die ſchweigende Formalität, mit welcher„Marguerite“ ſich dieſem Befehle zu Folge verneigte, bot eine etwas ſchreckliche Probe von dem Gehorſame und dem Re⸗ ſpekte, den die Baronin verlangte.

Keine weiteren Erörterungen wurden gegeben. Die Baronin, ermüdet von der Reiſe und den ge⸗ räuſchvollen Ehrenbezeugungen der Lehensleute, warf ſich vollkommen erſchöpft, aber gänzlich zu Hauſe, auf ein Sopha, und dieienigen von der Geſellſchaft, welche⸗ nicht am andern Ende des Zimmers an den Baron gefeſſelt waren, indem ſie die Ausſicht von ſeinen alter⸗ thümlichen Fenſtern aus betrachteten, oder deſſen Ar⸗ tigkeit gegen Mademoiſelle Theres bewunderten, eilten nun auf Frau von Rehfeld zu und beſtürmten ſie mit Fragen und Ausdrücken des Bedauerns über die Un⸗ annehmlichkeiten des heutigen Tages.

Unwillkürlich hatte Ida ihren Platz auf einem, dem Sopha am nächſten ſtehenden Platze genommen, ihre Hände waren todeskalt, ihre Ohren glühten und ihr Athem war ungeregelt.

Es war das erſtemal, daß ſie in dieſem Gemache eine zweite, ihr gleiche Perſon gefunden hatte. In walch. eine Tiefe der Unbedeutenheit ſollte ſie ver⸗ nken!