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ſes, und durch wilde Viſtonen den brillanten Vergnü⸗ gungen eines noch weiter ansgedehnten Wirkungs⸗ kreiſes, verherrlicht. Wenn ihre Seele nicht in ſich ſelbſt vertieft geweſen wäre, ſo müßte ſie in jenem Zeitpunkte eine ſonderbare Veränderung in dem Style der Briefe ihres Vaters wahrgenommen haben. Der Baron, welcher ſich vor einiger Zeit bemüht hatte, ſie . mit den ausführlichſten Berichten von Vergnügungen und Geſellſchaften zu unterhalten, wurde nach und nach ſo trocken und faßte ſich ſo kurz, als wenn ſeine Epi⸗ ſteln aus Aufmunterungen beſtünden, fleißig in ihren Studien zu ſein, und ſowohl Sara, ihre zweite Mut⸗ ter, als auch Mademoiſelle Thereſe Moreau zu lieben. Ja ſie zeugten ſo gar von einer Art Unruhe, ſie auf etwas Unangenehmes, das ihm oder ihr begegnet ſei, vorzubereiten. Anſpielungen, welche ſie ſich nicht die Mühe gab, zu entziffern, verdunkelten ſeinen Styl und zeugten von ſeiner wachſenden Geiſtesſchwäche. Das Einzige, welchem die arme Ida ihre ſtete Aufmerk⸗ ſamkeit ſchenkte, war, daß die Tage ſchnell enteilten, deren Ende ihn in ſein Vaterland zurückbringen ſollten. Im Anfange des Septembers wollte der Baron die Reſidenz erreichen und dann nach einem Aufenthalte von wenigen Tagen daſelbſt, wegen der Erfüllung ſeiner Pflichten gegen den Fürſten, nach Schloß Reh⸗ 1 feld eilen, um das Signal ihrer Befreiung von mäd⸗ enhaftem Gehorſam zu geben. Schon hatte der Hausmeiſter Befehle erhalten, Alles für den Empfang einer großen und brillanten Geſellſchaft herzurichten, die den Baron begleiten würde; und ſchwer war es, zu entſcheiden, wer bei dem Gedanken, die alten Staatsgemächer des Schloſſes wieder in dem Glanze der Lichter ſtrahlen zu ſehen und von dem Getöſe der Gaſtfreundſchaft wiederhallen u hören, mehr erfreut war, ob Mademoiſelle Thereſe, n oder ihr Zögling. Reichliche Mittel wurden von dem Baron geſandt, Alles herbei zu ſchaffen, was die vor⸗


