um ihrem Herrn Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen, war, auf eine Vertheidigung der Politik des Monſieur le Baron einzugehen, wobei ſie ſich ſtillſchweigend vor⸗ nahm, insgeheim an ihn zu ſchreiben, und ihn mit der Sehnſucht ſeiner lieblichen Ida nach der Wiedererlan⸗ gung ſeiner Geſellſchaft und der Einführung in die große Welt bekannt zu machen.
Wäre ihre Schülerin nicht eine Proteſtantin gewe⸗ ſen, würde Mademoiſelle Thereſe den kürzeren Weg gewählt und ſie bei ihrem Oberaufſeher verklagt ha⸗ ben. Aber ſie war zu gut mit der Umſtändlichkeit des würdigen Voſſius bekannt, um ſeine Hülfe beim Ver⸗ beſſern dieſer Frucht der jugendlichen Eitelkeit ihres gemeinſchaftlichen Pfleglings aufzufordern. Sie ver⸗ muthete nicht, daß die Langweiligkeit des Schloſſes Rehfeld durch eine erträgliche Predigt des Paſtors in Ida's Augen vermindert werden würde.
Mittler Weile ſchwächte jedoch die Ungeduld der fich entfaltenden Schönheit nicht den Stolz ihres Cha⸗ rakters. Ihr Weſen wurde zerſtreut und unbefri digt;
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jede neue Depeſche, welche Nachrichten von den Er⸗
götzungen brachte, bei denen ihr Vater eine Rolle ge⸗
ſpielt hatte, diente nur dazu, ihre Unzufriedenheit zu
vermehren.. „Der Kaiſer hat, wie Sie ſehen, den Ball bei
der Großfürſtin Helena mit der Tochter des franzöſi⸗
ſchen Geſandten eröffnet!“ ſprach ſie.„Wäre ich, chere bonne, mit meinem Vater geweſen, ſo hätte auch ich
die Vergnügungen und Ehren des Abends theilen
können.“
„Aber die Menge, die Schauſtellung und Aufre⸗
gung einer ſolchen Scene, mein armes Kind!“ ent⸗ gegnete Sara, die zufällig dieſe Aeußerung hörte. „Sie würden Sie auf den Tod erſchreckt haben!“ „Warum ſollte ich mehr erſchrocken ſein, als die Tochter des Grafen St. Guillome?“ fragte Ida.„Mein Vater ſcheint geneigt zu ſein, meine Schüchternheit


