Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1845)
Entstehung
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An dieſem Platze verkehrte nun Ida mit ſich ſelbſt. Während die Lüfte, welche von dem Walde über die Ebene herwehten, ihre Wangen erfriſchten und ihre Schritte beflügelten, erwachte die Seele in ihr allmä⸗ lig mit neuer Lebhaftigkeit. Die Folge hievon war, daß, als eines Tages Mademoiſelle Thereſe eben ihr Erſtaunen über die unermüdete Thätigkeit ihres theu⸗ ren Kindes ausdrücken wollte, Ida in Klagetöne aus⸗ brach, welche die Gouvernante beinahe ſo ſehr über⸗ raſchten, als wenn ſie von den ſteinernen Löwen ge⸗ kommen wären, die der Reihe nach auf der Terraſſe aufgeſtellt waren, um die Wappen des Hauſes von Rehfeld zu tragen. 5

Meines Vaters Brief von dieſem Morgen gibt einen glänzenden Bericht von den Feſtlichkeiten, die an dem Geburtstage des Kaiſers gegeben wurden lu ſprach ſie.Als wenn ich des Lebens nicht hinlänglich müde wäre, das ich hier führe, um es mir durch den Contraſt mit ſeinen brillanten Gemälden eines Lebens am Hofe noch verhaßter zu machen!

Die Gouvernante antwortete, wie es die Pflicht der Gouvernanten iſt, in ſolchen Fällen zu erwiedern, daß die Zeit kommen würde, in welcher ihr theurer Zögling ihrem Vater dankbar ſein würde, die Periode ihrer Erziehung verlängert, und ſte von aller Theil⸗ nahme an den Scenen der geräuſchvollen Welt zurück⸗ gehalten zu haben, bis ſie in einem Alter ſei, um ihrem Einfluſſe zu gleicher Zeit ſich hingeben und widerſtehen zu können.

Die Zeit mag wohl kommen, aber ſie iſt jett nicht da! rief Ida ungeduldig.Ich bin dieſes Platzes müde! Ich bedarf den Anblick neuer Gegenſtände ich bedarf den Ton friſcher Stimmen! Ich bin jetzt bald ſiebenzehn Jahre alt, und ſeit Jahren habe ich blos Bauern und Diener geſehen. Ehe Sie, ma bonne, hieher kamen, genügte mir Alles. Meine arme, gute Sara und der freundliche Herr Paſtor entſprachen