17 tiſchen Verhandlungen den Baron von Rehfeld an den Hof von St. Petersburg gefeſſelt.
Hätte er eine ſo lange Abweſenheit vermuthet, ſo würde ſeine Tochter ohne Zweifel ſeine Begleiterin ge⸗ weſen ſein. Die Gefahren einer ſo langen Reiſe wür⸗ den ihr in der That weit weniger geſchadet haben, als ihre eigenthümliche Lage zu Hauſe. Schmeichelei iſt der Jugend ſtets gefährlich, und beſonders, wenn ihren ſüßen Salbungen nicht das Gleichgewicht durch rau⸗ here Lehren erhalten wird, iſt das Uebel unheilbar. Ida von Rehfeld wurde nie anders, als mit bewundernden Augen betrachtet, und immer nur von ſchmeichelnden Zungen angeredet. Sie hatte keine Geſellſchafterin ihres Alters, die durch Spott oder Vorwurf ihren mädchenhaften Eigendünkel ſchwächen, oder die beſſeren Gefühle ihres Herzens durch Freundſchaft oder Liebe hätte hervor rufen können. Ihr Leben war ein Leben der Herrſchaft über ihre Mitgeſchöpfe; die ſicherſte Art, ihren Geiſt und ihre Stellung unter ihren eigenen Stand zu ſetzen. Man kann ihr jedoch leicht verzei⸗ hen, daß ſie glaubte, der kleine Zirkel, der ſie umgab, ſei einzig für ihren Gebrauch und zu ihrem Nutzen geſchaffen, denn er äußerte ja auch kein anderes Ziel und Streben. Indem ſie ſogar ſtolz und rückſichtslos wurde, war es nicht ganz ihre Schuld.
Neben dem Graben, der das alte Schloß umgür⸗ tete, befand ſich eine große Terraſſe, auf welcher an ſonnigen Frühlingsnachmittagen dem glücklichen Mäd⸗ chen geſtattet war, ungeſtört Bewegung ſich zu machen, während Mademoiſelle Thereſe ſich ihrer Sieſta hin⸗ gab, welche die unzeitige Mittagsſtunde des von alten Gebräuchen nicht abweichenden Deutſchlands unum⸗ gänglich nothwendig machte, oder ſich mit den franzö⸗ ſiſchen Zeitungen unterhielt, die die Güte des Barons ihr fleißig zu ihrer Unterhaltung von Petersburg zu⸗ ſandte.
Die Frau des Geſandten. 1. 2


