vernante der„Mademoiſelle Thereſe“ bewies, daß ſie eine ſo muntere, angenehme und geſellſchaftliche Per⸗ ſon ſei, daß es ſelbſt dem wunderlichſten alten Weib der Welt ſchwer fallen würde, einen Streit mit ihr zu bekommen.
Da ſie ihr Leben mit Erziehen in einer oder zweien der erſten Familien Frankreichs zugebracht hatte und auf dieſe Weiſe gewöhnt war, widerſpenſtige Geiſter zu unterwerfen, ſo fand ſie auch wenig Schwierigkeit darin, aus der vorurtheilsvollen, alten deutſchen Amme eine Verbündete, und aus der wilden, aber anmuthigen und verſtändigen Ida einen fröhlichen und viel ver⸗ ſprechenden Zögling zu machen. 3
Obgleich Fräulein von Rehfeld die Abreiſe ihres Vaters für eine ſo lange Trennung mit dem tiefſten Schmerze erfüllte, ſo wurden doch ihre Thränen durch die freundlichen Bemühungen ihrer neuen Geſellſchaf⸗ terin bald geſtillt; und ſie begann, die Weisheit des Barons anzuerkennen, ihr einen ſolchen Erſatz für ſeine Geſellſchaft gegeben zu haben.
Der Unterricht, welchen Ida zu empfangen hatte, war meiſtens oberflächlicher Natur.
Der Grund einer ſoliden Erziehung war zu ſorg⸗ fältig von dem Paſtor gelegt worden, um einen Ver⸗ ſuch der Einmiſchung von Seiten der franzöſiſchen Gou⸗ vernante zuzulaſſen, der ihr Zögling als ein Wunder der Gelehrſamkeit erſchien.
Aber die ſchöne Deutſche hatte tauſend geringfü⸗ gige Fragen zu ſtellen, deren Beantwortung Mademoi⸗ ſelle Thereſe eben ſo unterhaltend war, wie ihrer lie⸗
benswürdigen Schülerin, und ſo groß war der Fleiß
der jungen Einfiedlerin, daß, als ſie das erſtemal über ihre Unvollkommenheit in den gewöhnlichſten Fächern der weiblichen Erziehung unterrichtet wurde, ſich die gutmüthige Thereſe Moreau kaum überreden konnte, daß die Früchte, welche ſie ſo ſchnell der Reife zueilen ſay, durch ihre eigene Lehren erzeugt worden ſeien.


