13
Annäherung. Das Geheimniß wurde bald enthüllt. Der Baron von Rehfeld hatte eine diplomatiſche Sen⸗ dung an den Hof in St. Petersburg angenommen; und da er ſogar auf die Geſellſchaft ſeines einzigen Kindes verzichtet hatte, damit ſich deſſen Conſtitution in der Jugend durch eine reinere Luft, als die in der Reſidenz, befeſtigen möchte, war er jetzt nicht Willens, ſie den Gefahren eines rauhen Klimas und einer plötz⸗ lichen Entfernung von ihrem Vaterlande auszuſetzen. Es war nicht wahrſcheinlich, daß er länger als zwölf Monate abweſend ſein würde, und deshalb beſchloß er, Ida unter der Aufſicht des Herrn Voſſius auf Schloß Rehfeld zu laſſen, deſſen Wohnung nur einige hundert Schritte von der ſeiner Tochter entfernt war. Der Baron ließ jedoch auch nicht unbeachtet, daß das nächſte Jahr von beſonderer Wichtigkeit für ein Mädchen ſein würde, das ſo einſam wie ſeine junge Erbin erzogen wurde.— 3 Die hohen Auszeichnungen, auf welche ſie ſpäter bei Hof Anſprüche machen könnte, ließen es ihm un⸗ umgänglich nothwendig erſcheinen, daß ſie weder eine Pedantin, noch ein Bauernmädchen werde, und um den Uebelſtänden zu begegnen, welche er plötzlich, als aus der Oberaufſicht des Herrn Voſſius und der alten Anna entſtehend, wahrnahm, erhielt er von Paris durch die Verwendung der Gattin des franzöſiſchen Geſandten in**ee eine Gouvernante von mittleren Jahren und großen Vorzügen, die während ſeiner Abweſenheit die Gefährtin des Fräuleins von Rehfeld werden ſollte. Eine Verfügung, welche, der Meinung der alten Sara nach, Beleidigung auf Beleidigung häufte! Daß ſie nicht bloß zurückgelaſſen, ſondern auch der Obhut einer Gouvernante übergeben wurde, war eine Beſchimpfung, welche die alte Amme dem Barone ſchwer verzieh. Als jedoch ihr Herr erſchien, verwandelte ſein gewöhnlicher Einfluß über ſie die rebelliſchen Gefühle ihrer Seele bald in Unterwerfung, während die Gou⸗


