Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1845)
Entstehung
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welche ein junger Baron, wären ihres Vaters Gebete um einen Sohn erhört worden, erhalten haben würde. Der ehrwürdige Jäger, der ſchon ihres Vaters Lehrer war, lehrte auch ſie reiten und ſogar das Gewehr

und die Armbruſt gebrauchen; während Herr Voſſius

ihr einen ſo großen Theil von klaſſiſcher Gelehrſamkeit mittheilte, daß es wahrſcheinlich die Hülfe eines Stockes oder beträchtliche Anwendung der Ruthe erfordert ha⸗ ben würde, um ihn dem Kopfe eines jungen Baron's einzugießen. Jeden Sommer kam der Baron auf das Schloß und brachte neue Muſikalien, neue Bücher, neue Tapeten, neue Tändeleien mit, und war entzückt zu bemerken, daß der Unterricht des Kapellmeiſters, welcher ihn begleitete, ſo weit gediehen war, daß er ihr einen vortrefflichen Muſiker hier laſſen konnte.

Ida war jetzt ein ſchönes Mädchen, ein Mädchen, welches ihn beinahe mit ſich ausſöhnte, nicht ein Knabe zu ſein; und wenn auch ein wenig eigenfinnig, ſo war ſie es doch nicht mehr, als man von einem Mädchen erwarten konnte, welchem erlaubt war, eine ſo unumſchränkte Herrſchaft in ihrem Haushalte zu üben, wie ſie ſtets zu thun⸗ gewöhnt war.

Das hübſche Fräulein hatte kaum ihr fünfzehntes Jahr erreicht, als, indem ſie einſt der Ankunft ihres Vaters wegen des Anfangs ſeiner herbſtlichen Jagd⸗ vergnügen voll Sehnſucht entgegen ſah, ein Brief ihres Vaters ſie benachrichtigte, daß er diesmal an⸗ ſtatt von ſeinen gewöhnlichen Freunden begleitet zu werden und wie ſonſt einige Wochen auf dem Schloſſe zu verweilen, nur eine einzige Perſon mit ſich brin⸗ gen, und auch nur einen Tag bleiben würde. Zum erſtenmal ging ſeinem Beſuche kein Bagagewagen, kein Küchewagen, kein franzöſiſcher Koch, keine Silber⸗ kiſte und nichts von den gewöhnlichen Ankündigun⸗ gen der Feſtlichkeit voran. Einige wenige Bücherkiſten und Muſikinſtrumente anMademoiſelle Thereſe Mo⸗ reau adreffirt, waren die einzigen Vorläufer ſeiner