Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1845)
Entstehung
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ſtand, war mit Furcht gemiſcht, und da man ſie wäh⸗ rend der letzten drei einſamen Monate, die ihrer Ent⸗ bindung vorangingen, mitten unter den Schrecken des Kriegs allein zurückgelaſſen hatte, um ihren Haushalt zu ſchützen, wurde ſie nach und nach an Geiſt und Körper ſo geſchwächt, daß der Tod einen leichten Kampf mit ihr hatte. Obwohl erſt neunzehn Jahre alt, ergab ſich Agnes doch ſo lebensmüde in das Sterben, als ob ſchon fiebzig Jahre über ihr Haupt hingegangen wären.

Der alten Amme, welche ſchon über ſeine Kindheit gewacht hatte, und die, obgleich fünfzig Jahre alt, noch ſo thätig wie ein Mädchen war, übertrug der Baron die Pflege ſeiner kleinen Tochter. Er war vielleicht auch nicht ganz ohne Hoffnung, daß in eini⸗ ger Zeit ein kummervoller Brief Sara's ihn benach⸗ richtigen werde, daß das ſchwächliche Kind ſeiner jun⸗ gen Mutter in das Grab nachgefolgt ſei. Aber je weniger ſeine Gefühle zärtlich waren, deſtomehr gedieh der kleine Pflegling, und als fünf Jahre ſpäter die Segnungen des Friedens dem Barone, der nun dreißig Jahre zählte, erlaubten, die Jagdzeit auf ſeinem Gute zuzubringen, war das erſte, was ihm bei ſeinem Ein⸗ tritte in die ſchönen, alten Hallen auffiel, ein kleines ſchönes Mädchen mit langen blonden Locken, die bei⸗ nahe bis an die Füße hinabreichten. Der Baron würde ſich verſucht gefühlt haben, vor ihm nieder zu fallen, und es als ein höheres Weſen zu verehren, hätte nicht die alte Sara das liebliche Kind aufgefordert, den Segen ſeines Vaters zu erbitten.

In einem Augenblicke lag Ida in den Armen ih⸗ res Vaters, und er ſchien von jenem Tage an ſeinen Gram über das Geſchlecht ſeines Nachkommen abzu⸗ ſchwören. Das Mädchen war von ſo merkwürdiger Schönheit, daß es ſogar für einen Fremden ſchwer geweſen wäre, ſich nicht durch ihre Harmloſigkeit an⸗ gezogen zu fühlen. Dies war um ſo mehr bei ihn