Teil eines Werkes 
5. - 8. Bdchn (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

268

Andreas Harrington mit ſo viel Artigkeit, als ihm bei ſeinem offenen Charakter möglich war, bemerklich, ſie ver⸗ mehre auf dieſe Weiſe die traurige Stimmung ihrer Kinder. Nun wünſchte ſie, mit ihren Kindern allein zu ſein. Sie wollte nicht, daß ihre unſchuldigen Töchter, noch weniger, daß ihre edeldenkenden Söhne die furchtbare Frage hören ſollten, welche ſie an ihre Brüder mit Furcht und Zittern in einem Hauſe zu richten im Begriffe war, welches noch immer die ſterbliche Hülle eines Mannes in ſich ſchloß, der vor den ſtrengen Richterſtuhl des Ewigen getreten war. Das Haus hatte ſeine Zahlungen eingeſtellt; es war ein Unglück, aber ſie und die Ihri⸗ en konnten arbeiten, ſie und die Ihrigen konnten mit enigem zufrieden ſein. Alles, was ſie zu wiſſen wünſchte, war: ob dieſes Unglück mit einem Verbrechen in Ver⸗

bindung ſtehe. Hamlyn und Compagnie war inſolvent,

bankrutt, ruinirt, zu Grunde gerichtet; aber ſie hatte den Muth nicht, die unglückſelige Frage völlig auszuſprechen.

Doch ihr mitleidiger Bruder verſtand ſie und ver⸗ ſuchte, ſo gut als er konnte, den Schlag zu mildern, der über ſie ergehen mußte und deſſen ſchmerzliche Wirkung ja auch er mit ihr zu theilen hatte, als er die ſchreck⸗ lichen Entdeckungen verkündigte, welche gemacht worden waren. Doch ſolche ſchmerzhafte Begebniſſe kann man nicht beſchönigen. Andreas mochte ihr ſagen, was er wollte, Hamlyns That ſtand in all ihrer verdammungs⸗ würdigen Schrecklichkeit vor ihr. Sie fühlte Alles, was der biedere Mann vor ihr ſühlen mußte, oder vielmehr ſte fühlte es nicht, denn im Augenblicke, als ſie die aus⸗ führliche Kunde davon vernommen hatte, daß dem Vater ihrer Kinder ein Betrug von der ſchwärzeſten Art zur Laſt gelegt werde, ſank ſie in völlige Ohnmacht, welche ſie vor weiteren Sorgen ſicherte.

In dieſem Zuſtande wurde ſie von ihrem mitleidigen Bruder der Pflege der Miſtreß Hamilton übergeben, Dieſe übernahm nun gegenüber der Familie Hamlyn alle Sorge und Verantwortlichkeit, welche einer angenommenen Toch⸗

——