ſie an ihre Lippen und an ihre Augen. Sie zeigte eher die wilde Zärtlichkeit einer Mutter, welche ein verlore⸗ nes Kind wieder findet, als die Verſchämtheit einer Gelieb⸗ ten, oder leidenſchaftsloſe, ruhige Liebe einer Gemahlin. Sie preßte ihn an das Herz und liſpelte mit thrä⸗ nenden Augen:„Mein für immer!“ Sie wandte ſich gegen Oberſt Hamilton, welcher ſich ihr näherte, und mit tiefem Gefühle das Feuer eines Weibes beobachtete, das er immer ſo kalt, ſo ſtolz, ſo verſchloſſen geſehen hatte, und wiederholte:„Unſer iſt er für immer.“ Der alte Mann faßte die vereinten Hände beider
mit der ſeinigen, und ſprach mit leiſer Stimme heiße
Segenswünſche über ihr Haupt. Und jetzt erſt brachen zum erſtenmale, ſeitdem Henry wußte, daß ſeine Familie entehrt ſei, aus ſeinen Augen Thränen über Thränen.
Ach! noch nicht zur Hälfte wußte er, wie vielen Grund er hatte, bekümmert zu ſein. Die Urſache, warum Ellen ſich ſo ſehr beeilte, ihn und den Oberſt gleich bei ihrer Ankunft zu treffen, war einzig und allein die: ſie wollte die Kunde eines neuen Unglücks durch gehörige Vorbereitung mildern.
Waͤhrend die beiden auf der City und im Bankier⸗ hauſe Hamlyns geweſen waren, hatte Hamlyn ſein Leben geendet.
Zehntes Kapitel.
Es ſpielte meine Jugend oft die Rolle Des Eiteln; öfters noch ergab ſie ſich Vergnugungen verſchiedener Art, von denen Die Miſchung ſütz, das Ende tragiſch war. Der Pomp, die Schönheit, jeglicher Genuß, Den unſer flüchtger Sinn zum Abgott macht, Sind unbeſtändge falſche Freunde nur, Wenn eine raſche, wilde Leidenſchaft Vorm unbewachten Schloß der Seele ſteht, Und ſich den Einlaß zu edzwingen ineht
or Nachdem bei Herrn Hamlyn die unnatürliche Ruhe, die ihren Grund in der Anwendung ſtarker Opiate hatte,
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