Frau Gevenix. Das letzte Porträt aus der Familien⸗ Sammlung war der gegenwärtige Herzog, als Knabe, von Hoppner. Kein einziges gefälliges, ſchwächliches Bild von Lorenz war da; die maſſive, ſolide Einfachheit
von Ormeau wollte Nichts von den geiſtloſen Galanterien
b des Tages wiſſen. Jede Nacht legte die Herzogin ihr
Strickzeug in den großen altväteriſchen Arbeitskorb, eine der Handelswaaren von Tonbridge, welchen ihr der Herzog bei der Geburt eines ihrer Kinder, zwanzig Jahr zuvor,
verehrt hatte. Um die Correſpondenz mit ihren Enkeln
zu führen, benützte ſie einen kleinen mit Ebenholz ein⸗ gelegten Schreibpult, welcher ihr bereits als Braut zum gleichen Zwecke gedient hatte.
In allen Manieren und Connerionen des Schloſſes
herrſchte eine gleichmäßig ſtillſtehende Ordnung der Dinge.
Der Herzog und die Herzogin von Elvaſton ſtunden in
der Welt zu feſt, um den Mantel nach dem Winde jeder
neuen Lehre zu hängen. Die Leute, mit welchen ſie in ihrer Jugend gut Freund geweſen waren, blieben es auch in ihrem Alter. Die gleichen Kaufleute und Handwerker
bedienten immer das Haus, ſo gut als immer die gleiche
Geſellſchaft von Freunden in demſelben einſprach. Die
Elvaſtons waren nicht auf neue Syſteme oder Erfindungen, die ein Patent erhalten hatten, aus. Sie waren glücklich, geachtet, geehrt und begehrten keine Veränderungen, die ausgenommen, welche ihnen durch den Geiſt des Fort⸗ ſchritts der Zeit nothwendiger Weiſe aufgedrungen wurden.
Zwiſchen dieſen Leuten und denen auf Hyde mußte
natürlich eine große Verſchiedenheit, in Beziehung auf
Liebhabereien, Statt finden. Die Elvaſtons waren ent⸗
ſchloſſen, auf Ormeau zu leben und betrachteten London
als eine langweilige Stadt; die Familie auf Hyde be⸗ trachtete das Land als einen Ort, auf dem man mit
Widerwillen leben müſſe, wenn das glorreiche London mit
ſeinem faſhionabeln Leben eine kleine Pauſe mache. Vieles
von dieſer Anſicht hatte ſeine Quelle darin, daß die El⸗ vaſtons keine Hofjäger waren; ſie hatten keinen Grund,


