Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

309

die Schwiegertochter näher zu betrachten, deren unglück⸗ ſelige Schönheit die Urſache von ſo vielen Verwirrungen in ſeiner Familie geweſen war, und auf den erſten An⸗ blick mußte er geſtehen, daß Ellen, trotz ihres Negligés, in ihrem weißen Kleide, das ſich loſe um ihren Leib her⸗ umſchlang und ihrem ſchwarzen Rabenhaare, das blos durch einen einzigen Kamm in höchſter Einfachheit und Natürlichkeit um ihren Kopf herumgewunden war, das Ausſehen einer Herzogin hatte.

Im tiefſten Grunde ſeines bekümmerten Herzens ſagte er:„Der arme Bob hatte Recht; beim heiligen Georg! ſie iſt die ſchönſte Kreatur auf Gottes Erdboden.“

Dieſe Gefühle wahrer Bewunderung nahmen nicht ab, als er, während des Theetrinkens den immer wech⸗ ſelnden Ausdruck ihres edlen Geſichtes beobachtete. Sie beantwortete ſeine haſtigen Fragen und erzählte, ſie ſei von der Schweiz an auf dem Rheine gefahren und den Tag zuvor, in Begleitung zweier Dienerinnen, auf einem antwerpner Dampfboot in London angekommen.

„Ich bin eine verkehrte, oder vielmehr eine eigen⸗ ſinnige Kreatur, mein theurer Herr, wie Sie auf Ihre Koſten ſogleich finden werden,“ ſagte ſie, nachdem ſie ſich in Betracht der natürlichen Herzlichkeit ihres Schwie⸗ gervaters ganz nach ihrer Bequemlichkeit geſetzt hatte. „Da ich mich einmal entſchloſſen hatte, durch Deutſch⸗ land nach England zurückzukehren, blieb ich feſt bei dieſem Vorſatze, obwohl der Rhein meinem Auge nichts Unterhaltendes, ſondern blos Stücke Eis und Wälder ohne Laub darbot.“ 3

Auf dieſe Weiſe hatte ſie nicht nöthig, zu geſtehen, daß es ihr nicht angenehm gewefen wäre, wenn ſie auf ihrer Heimreiſe die gleiche Straße hätte einſchlagen müſſen, welche ſie, drei Jahre vorher, in Geſellſchaft ihres un⸗ glücklichen Gemahles gemacht hatte, als ſie mit ihm nach Italien gegangen war.

Der Oberſt dagegen rief aus:„Auf dieſe Weiſe, meine theure Ellen! waren wir beide, die wir doch in