Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

40

halten wollte, verſtand er es, die Neugierde durch eine unverwüſtliche Kälte zu täuſchen, welche wirkſamer iſt, als die zügelloſeſte Hitze anderer Männer.

Die Erfahrung von vierundzwanzig Jahren ſetzte jedoch ſeine Frau in Stand, aus ſeinem Stillſchweigen ſo ziemlich richtige Folgerungen zu ziehen; und die Er⸗ klärung, welche ſie ein Paar gebrochenen Worten und dem Heben der Augbraunen zu geben wußte, bewirkte, daß ſie wenig erſtaunt war, als einen Monat nachher, zur Zeit, in welcher der Februar ſeine gewöhnliche trü⸗ geriſche Milde an den Tag legt, Oberſt Hamilton Lydia und ihrer Schweſter ankündigte, er ſei daran, ihren Va⸗ ter für ein oder zwei Tage nach dem Park zu begleiten. „SSoll ich, meine theure Miß Lydia! eine Botſchaft an Ihren Klepper beſtellen?“ fragte der alte Mann das ältere Mädchen, gegen das er eine beſondere Zuneigung hegte, und zwar deßwegen, weil ſein Sohn Jack, der ſich hier zur Zeit ſeines Beſuches wieder erholte, am Tage ihrer Geburt in Dean⸗Park geweſen war, und in den Briefen an ſeine Mutter die Schönheit der Kleinen hoch erhob,„ſoll ich,“ fragte er weiter,„an die Läm⸗ mer und Schlüſſelblumen vom Valentins⸗Tage eine Bot⸗ ſchaft ausrichten?“

„Wenn Sie das theure Dean⸗Park beſuchen? Wie keck! Sie wollen in dieſer ſchlimmen Jahreszeit den Platz einſehen!“ rief Lydia.„Und ich hoffte, ich könnte Ihnen bei Ihrem erſten Beſuche hier zeigen—“

Sie hielt inne, das gemüthvolle Mädchen zögerte, auf den Blumengarten, welcher zur Zeit ihrer glücklichen Kindheit von ihren Beſchützern, den jungen Hamiltons,

gemacht worden war, anzuſpielen.

„Meine theure, junge Lady!“ rief Oberſt Hamilton, ärgern Sie ſich nicht. Ich werde wahrſcheinlich vor meinem Tode von dem Platze in ſeiner ganzen Vollkom⸗ menheit Einſicht nehmen, und Sie können wohl mich hier öfters ſehen, als Sie denken. Doch ſtille davon!

——