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„Aber warum bringen Sie Ihre Abende nicht bei uns zu,“ fragte ganz aufrichtig Frau Hamlyn.
„Ich thue es ſo oft, als mein Gewiſſen es erlaubt. Ich ſehe von ſelbſt ein, der arme Hamlyn will lieber ſeine Ruhe ungeſtört genießen, bei ſeinem Weibe und ſeiner Familie, als Nacht für Nacht von einem lang⸗ weiligen alten Burſchen zum Trick⸗track⸗Spiel gezogen zu werden, von einem Burſchen, der immer Neuigkeiten aus ihm herauspumpen möchte, und keine dagegen zu bieten vermag. Ei, meine geehrteſte Madame! Der Apotheker Quiddle betrügt mich, wenn ich mehr als zweimal in der Woche Beſchlag auf ihn lege. Ich mache gar Viel aus meinen Rheumatismen, bloß um des Nachmittags eine Unterhaltung mit ihm anſpinnen zu können. Wenn ich dann durch Schmeicheleien ver⸗ ſuche, ihn zu bewegen, daß er zum Mittageſſen bei mir bleibe, ſo ſchneidet er fürwahr eine Art ganz demüthi⸗ gen, familienmäßigen Geſichtes und ſagt mir:„Frau Quiddle erwartet mich zu Hauſe.“
Frau Hamlyn hielt ihr Geſicht näher an ihre Arbeit, um ein unwillkürliches Lächeln, die Folge dieſes troſtloſen Gemäldes, zu unterdrücken, eines Gemäldes, das ein Mann von ſeiner Lage entwarf, der des Jahres fünfzehntauſend Pfund Sterling beſaß, und von einem auf ſein Weib verſeſſenen Apotheker betrogen wurde. Aber kaum hatte ſich ein Lächeln von ihrer Seite erho⸗ ben, als es in Traurigkeit umſchlug. Wohl erinnerte ſie ſich der Zeit, da ſie von ihrem heitern Hauſe in die kalte förmliche Haushaltung des Bankiers in Cavendiſh⸗ Square übergetreten war, einer Zeit, in welcher ſie ſich beinahe ſo einſam fühlte, als der alte Indier.
Die Gewohnheit war ihr nun zur zweiten Natur geworden. Sie war nun durch die langen, ereignißloſen Morgen, und das ſtillſchweigende Beiſammenſein mit ihrem Gemahl, wodurch der Tag ausgefüllt wurde, in Apathie verſunken, und, obwohl einige Weiber einen immerwährenden Umgang mit ihren Kindern wünſchen


