Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1846)
Entstehung
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„Aber Sie haben ja ein ausgezeichnetes Bedienten⸗ Zimmer in Portland⸗Place,“ entgegnete Frau Hamlyn, welche durch die Macht der Gewohnheit ein unbedingtes Einverſtändniß mit den Meinungen ihres Gemahles ge⸗ lernt hatte.„Was meine Töchtern betrifft, deren Herr Hamlyn vorher bei Ihnen erwähnte, ſo ſind dieſelben noch nicht aus der Zucht und Aufſicht. Lydia iſt ein weniges älter als ſechszehn; ihre Schweſter zwei Jahre jünger. Beide ſind immer im Schulzimmer. Sie ſpeiſen nicht einmal an unſerer Tafel.“

„Um ſo ſchlimmer, Madame, um ſo ſchlimmer! es iſt eine Sache, die ich hauptſächlich beklage. Etwas mehr, als ſechszehn, in der That! In Indien wäre ſie in dieſem Alter ein Weib, vielleicht Mutter geworden. Und doch hat ſie die Erlaubniß noch nicht, das Mahl ihrer Eltern zu theilen, mit ihres Vaters altem Freund zu ſpeiſen? Immer iſt ſie bei der Gouvernantin, immer bei ihren Studien? Was iſt der Zweck einer ſolchen Ueberbildung für junge Damen, ich bitte Sie, als ihnen zu zeigen, wie ſie ihre Rolle in der Geſellſchaft recht artig ſpielen ſollen? Und wie, beim Teufel! kommt ein

ädchen dazu, zu lernen, wie man ein Weib wird, wenn ſte vom Umgang mit Männern und Damen aus⸗ geſchloſſen bleibt, bis, ohne daß ſie ihre Rolle kennt, der Vorhang ſchnell auffährt und ſie ſich ganz allein auf der Bühne befindet?“

„Der Umſtand, daß Herr Hamlyn ſo wenig zu Hauſe ſein kann,“ ſagte des Banquiers Frau, wobei ſie ſich jedoch bemühte, es ſich nicht merken zu laſſen, wie im Geheimen ihre Ideen von Glückſeligkeit und Anſtand weit mehr mit denen des gemüthlichen Oberſten, als mit denen ihres ſtrengen Gemahles übereinſtimmten,„kann für die Mädchen nicht wohl von Nutzen ſein. Was die Ablehnung Ihrer gütigen Einladung betrifft, ſo habe ich zu ſagen: hätten Sie im Portland⸗Place geſpeist, meine eigene Familie, welche doch zahlreich iſt, hätte dieſelbe Ausnahme zu ihren Gunſten angeſprochen.“

Die Bankiersfrau. I. 2