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Leiden des jungen Werther's / von J. von Goethe
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118 Leiden des jungen Werther's.

Er kramte den Abend noch viel in ſeinen Papieren, zer⸗

riß vieles und warf es in den Ofen, verſiegelte einige Päcke mit Adreſſen an Wilhelm. Sie enthielten kleine Aufſätze, abgeriſſene Gedanken, deren ich verſchiedene geſehen habe; und nachdem er um zehn Uhr Feuer hatte nachlegen und ſich eine Flaſche Wein geben laſſen, ſchickte er den Bedien⸗ ten, deſſen Kammer, wie auch die Schlafzimmer der Haus⸗ leute weit hinten hinaus waren, zu Bette, der ſich dann in ſeinen Kleidern niederlegte, um frühe bei der Hand zu

ſein; denn ſein Herr hatte geſagt, die Poſtpferde würden

vor ſechſe vor's Haus kommen. Nach eilfe.

Alles iſt ſo ſtill um mich her, und ſo ruhig meine Seele. Ich danke dir, Gott, der du dieſen letzten Augen⸗ blicken dieſe Wärme, dieſe Kraft ſchenkeſt.

Ich trete an das Fenſter, meine Beſte! und ſehe, und ſehe noch durch die ſtürmenden, vorüberfliehenden Wolken einzelne Sterne des ewigen Himmels! Nein, ihr werdet nicht fallen! der Ewige trägt euch an ſeinem Herzen, und mich. Ich ſehe die Deichſelſterne des Wagens, des liebſten unter allen Geſtirnen. Wann ich Nachts von dir ging, wie ich aus deinem Thore trat, ſtand er gegen mir über. Mit welcher Trunkenheit habe ich ihn oft geſehen! oft mit auf⸗ gehobenen Händen ihn zum Zeichen, zum heiligen Merk⸗ ſteine meiner gegenwärtigen Seligkeit gemacht! und noch O Lotte! was erinnert mich nicht an dich umgiebſt du mich nicht! und habe ich nicht, gleich einem Kinde, ungenügſam allerlei Kleinigkeiten zu mir geriſſen, die du Heilige berührt hatteſt!

Liebes Schattenbild! Ich vermache dir es zurück, Lotte, und bitte dich, es zu ehren. Tauſend, tauſend Küſſe habe ich darauf gedrückt, tauſend Grüße ihm zugewinkt, wenn ich ausging oder nach Hauſe kam. 1

Ich habe deinen Vater in einem Zettelchen gebeten, meine Leiche zu ſchützen. Auf dem Kirchhof ſind zwei Lin⸗ denbäume, hinten in der Ecke nach dem Felde zu; dort wünſche ich zu ruhen. Er kann, er wird das für ſeinen Freund thun. Bitte ihn auch! Ich will frommen Chriſten nicht zumuthen, ihren Körper neben einen armen Ungllück⸗

lichen zu legen. Ach, ich wollte, ihr begrübt mich am Weg,

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